Start / Tarot & Orakel / Die Bedeutung der Symbole im Tarot: Eine Einführung

Die Bedeutung der Symbole im Tarot: Eine Einführung

Wer ein Tarot-Deck zum ersten Mal aufmerksam durchblättert, bemerkt schnell, wie viele Details in den einzelnen Bildern stecken: bestimmte Farben, wiederkehrende Zahlen, Tiere, Pflanzen, Himmelskörper und Gesten der abgebildeten Figuren. Diese Symbolik ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger künstlerischer und esoterischer Traditionen, die sich in der Bildsprache des Tarot niedergeschlagen haben.

In diesem Artikel geben wir eine Einführung in die wichtigsten symbolischen Ebenen des Tarot und zeigen, wie man lernt, diese Symbole selbst zu lesen, statt sich ausschließlich auf auswendig gelernte Kartenbedeutungen zu verlassen.

Warum Symbolik im Tarot eine so große Rolle spielt

Anders als ein gewöhnliches Kartenspiel wurde Tarot, insbesondere seit dem 18. und 19. Jahrhundert, zunehmend als Trägermedium für esoterisches und symbolisches Wissen verstanden. Gestalterinnen und Gestalter späterer Decks, allen voran das im frühen 20. Jahrhundert entstandene Rider-Waite-Smith-Deck, integrierten bewusst zahlreiche Symbole aus Astrologie, Numerologie, Alchemie und verschiedenen mystischen Traditionen in die Bildgestaltung. Diese bewusste Verdichtung von Symbolik bedeutet, dass ein einziges Kartenbild oft mehrere Bedeutungsebenen gleichzeitig transportiert. Wer sich mit den einzelnen Symbolen vertraut macht, kann Karten dadurch differenzierter lesen, als es ein reines Auswendiglernen der Kurzbedeutungen ermöglichen würde.

Farbsymbolik im Tarot

Farben spielen in der Bildsprache vieler Tarot-Decks eine wichtige Rolle. Auch wenn die genaue Verwendung von Deck zu Deck variiert, haben sich für einige Farben wiederkehrende symbolische Zuschreibungen etabliert:

  • Rot wird häufig mit Energie, Leidenschaft und Tatkraft assoziiert.
  • Blau steht oft für Ruhe, Gefühle und Reflexion.
  • Gelb wird häufig mit Klarheit, Optimismus und geistiger Aktivität verbunden.
  • Grün symbolisiert oft Wachstum, Fruchtbarkeit und Erneuerung.
  • Schwarz kann für das Unbewusste, Geheimnisvolle oder auch für Abschluss stehen.
  • Weiß wird häufig mit Reinheit, neuem Anfang oder geistiger Klarheit assoziiert.

Diese Zuschreibungen sind keine festen Gesetze, sondern eher wiederkehrende Muster, die sich über verschiedene Deck-Traditionen hinweg beobachten lassen und beim Deuten als zusätzlicher Anhaltspunkt dienen können.

Zahlensymbolik im Tarot

Auch Zahlen spielen im Tarot eine bedeutende Rolle, insbesondere innerhalb der kleinen Arkana, in der jede Farbe von der Eins (dem Ass) bis zur Zehn durchnummeriert ist. In der Tarot-Tradition werden diesen Zahlen häufig Bedeutungen zugeschrieben, die sich an numerologischen Konzepten orientieren:

  • Eins/Ass: Neubeginn, reines Potenzial eines Themas.
  • Zwei: Balance, Begegnung, erste Entscheidungen.
  • Drei: Wachstum, Zusammenarbeit, erste sichtbare Ergebnisse.
  • Vier: Stabilität, Struktur, aber auch mögliche Stagnation.
  • Fünf: Herausforderung, Konflikt, Umbruch innerhalb eines Themas.
  • Sechs: Ausgleich, Harmonie nach einer Herausforderung.
  • Sieben: Reflexion, innere Prüfung, Bewertung der Situation.
  • Acht: Bewegung, Fortschritt, Intensivierung eines Themas.
  • Neun: Nähe zur Vollendung, aber noch nicht ganz abgeschlossen.
  • Zehn: Vollendung, Abschluss eines Zyklus innerhalb der jeweiligen Farbe.

Diese numerologischen Grundmuster wiederholen sich innerhalb jeder der vier Farben, wodurch sich beispielsweise die Fünf der Kelche und die Fünf der Schwerter thematisch ähneln, auch wenn sie sich durch das jeweilige Element inhaltlich unterscheiden.

Tiere, Pflanzen und Landschaften

Viele Tarot-Bilder enthalten zusätzlich Tiere, Pflanzen oder bestimmte Landschaftselemente, die eigene symbolische Bedeutungen tragen. Ein Hund erscheint in manchen Decks als Symbol für Loyalität oder Instinkt, während Löwen häufig für Mut oder ungezähmte Kraft stehen. Wasser wird oft mit dem Unbewussten und mit Gefühlen assoziiert, während Berge im Hintergrund eines Bildes häufig auf noch bevorstehende Herausforderungen oder Ziele hindeuten. Auch die Positionierung solcher Elemente im Bild, etwa ob sie im Vordergrund oder Hintergrund erscheinen, kann in der Deutung eine Rolle spielen. Ein im Hintergrund aufgehender Sonnenaufgang etwa wird von manchen Praktizierenden als Hinweis auf eine noch bevorstehende, aber bereits erkennbare positive Entwicklung gedeutet.

Himmelskörper und astrologische Bezüge

Sonne, Mond und Sterne tauchen in der großen Arkana explizit als eigene Karten auf, aber auch in anderen Kartenbildern finden sich häufig astrologische Anspielungen. In vielen esoterischen Tarot-Traditionen wird zudem jeder Karte der großen Arkana ein astrologisches Zeichen oder ein Planet zugeordnet, eine Zuordnung, die vor allem auf esoterische Systeme des 19. Jahrhunderts zurückgeht und von unterschiedlichen Schulen unterschiedlich gehandhabt wird. Wer sich für diese Verbindung zwischen Tarot und Astrologie interessiert, findet in spezialisierter Fachliteratur vertiefende Systeme, die beide Traditionen miteinander verknüpfen. Für den Einstieg ist ein solches Detailwissen jedoch nicht notwendig, um die grundlegende Symbolik der Karten zu verstehen.

Wie man Symbole selbst deuten lernt

Statt sich ausschließlich auf vorgegebene Bedeutungslisten zu verlassen, kann es sehr bereichernd sein, ein Kartenbild selbst genau zu betrachten und sich zu fragen, welche Elemente einem als Erstes auffallen und welche eigenen Assoziationen diese hervorrufen. Diese individuelle Beschäftigung mit der Symbolik ergänzt das traditionelle Bedeutungswissen und macht die eigene Deutung lebendiger und persönlicher.

Eine hilfreiche Übung besteht darin, sich bei einer neuen Karte zunächst nur die Bildelemente zu notieren, ohne im Buch nachzuschlagen, und erst im Anschluss die eigenen Eindrücke mit der traditionellen Bedeutung zu vergleichen. So lässt sich mit der Zeit ein immer feineres Gespür für die Bildsprache des Tarot entwickeln.

Gesten und Körperhaltungen der abgebildeten Figuren

Neben Farben, Zahlen und Objekten spielt auch die Körpersprache der auf vielen Karten abgebildeten Figuren eine wichtige symbolische Rolle. Eine erhobene Hand, wie sie etwa bei Der Magier häufig dargestellt wird, wird oft als Zeichen von Willenskraft und aktivem Handeln gedeutet. Eine sitzende, in sich gekehrte Haltung, wie bei Die Hohepriesterin, wird hingegen häufig mit innerer Sammlung, Zurückhaltung und verborgenem Wissen assoziiert.

Auch die Blickrichtung einer Figur kann eine Rolle spielen: Blickt eine Figur nach vorne aus dem Bild heraus, wird dies manchmal als direkte Ansprache an die betrachtende Person gedeutet, während ein seitlicher oder abgewandter Blick eher auf eine innere, introspektive Ausrichtung hindeuten kann. Solche Details erschließen sich meist erst bei wiederholtem, aufmerksamem Betrachten der Karten.

Die Bedeutung von Positionen innerhalb des Bildes

Manche Deutungssysteme legen zusätzlich Wert auf die Position bestimmter Elemente innerhalb eines Kartenbildes. Objekte oder Figuren, die sich im linken Bildbereich befinden, werden von manchen Praktizierenden mit der Vergangenheit oder mit eher passiven, empfangenden Aspekten assoziiert, während der rechte Bildbereich häufiger mit Zukunft oder aktivem Handeln in Verbindung gebracht wird. Diese Zuordnung ist jedoch keineswegs universell gültig und wird von unterschiedlichen Schulen unterschiedlich gehandhabt.

Auch die vertikale Position spielt mitunter eine Rolle: Elemente im oberen Bildbereich, etwa Himmel, Sonne oder Sterne, werden oft mit geistigen oder überpersönlichen Themen assoziiert, während Elemente am unteren Bildrand, etwa Erde, Wasser oder Wurzeln, eher für das Konkrete, Materielle oder Unbewusste stehen.

Wie unterschiedliche Decks dieselbe Symbolik unterschiedlich zeigen

Ein interessanter Aspekt bei der Beschäftigung mit Tarot-Symbolik ist der Vergleich verschiedener Decks. Während die grundlegende Bedeutung einer Karte wie Der Tod über verschiedene Traditionen hinweg meist ähnlich bleibt, unterscheidet sich die konkrete bildliche Umsetzung teils erheblich: Manche Decks zeigen ein Skelett auf einem Pferd, andere eine symbolische Landschaft im Wandel, wieder andere verzichten fast vollständig auf explizit morbide Bildelemente und arbeiten stattdessen mit abstrakteren Symbolen für Übergang und Veränderung.

Der Vergleich unterschiedlicher künstlerischer Umsetzungen derselben Karte kann das eigene Verständnis der zugrunde liegenden Symbolik erheblich vertiefen, da er deutlich macht, welche Elemente über verschiedene Traditionen hinweg konstant bleiben und welche eher der individuellen künstlerischen Interpretation der jeweiligen Deck-Gestalterin oder des jeweiligen Deck-Gestalters entspringen.

Symbolik als lebenslanger Lernprozess

Die Beschäftigung mit der Symbolik des Tarot ist kein Wissen, das sich einmalig abschließend erlernen lässt. Selbst langjährige Praktizierende berichten häufig, dass sie in vertrauten Karten immer wieder neue Details entdecken, die ihnen zuvor nicht aufgefallen waren. Dieser fortlaufende Prozess des genauen Hinschauens macht einen wesentlichen Teil des Reizes der Tarot-Praxis aus und erklärt, warum sich viele Menschen über Jahre hinweg immer wieder neu mit denselben 78 Karten beschäftigen, ohne dass ihnen dabei langweilig wird.

Fazit

Die Symbolik des Tarot ist vielschichtig und reicht von Farben über Zahlen bis hin zu Tieren, Landschaften und astrologischen Bezügen. Wer sich mit diesen unterschiedlichen Ebenen vertraut macht, gewinnt einen deutlich reicheren Zugang zu den einzelnen Karten, als es das reine Auswendiglernen von Kurzbedeutungen ermöglichen würde, und kann so eine eigene, persönlich geprägte Art der Kartendeutung entwickeln.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert