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Die große Arkana einfach erklärt

Die große Arkana gilt als das Herzstück eines jeden Tarot-Decks. Ihre 22 Karten tragen klingende Namen wie Der Magier, Die Gerechtigkeit oder Der Stern und werden in der Tarot-Tradition mit den großen, archetypischen Themen des menschlichen Lebens in Verbindung gebracht. Wer die große Arkana versteht, hat bereits einen wichtigen Schlüssel zum gesamten Tarot in der Hand.

In diesem Artikel werfen wir einen strukturierten Blick auf die große Arkana: woher der Name kommt, wie die Karten traditionell als Erzählung gelesen werden können und welche Grundbedeutungen den einzelnen Karten in der gängigen Praxis zugeschrieben werden.

Was bedeutet „große Arkana“ überhaupt?

Der Begriff Arkana leitet sich vom lateinischen Wort „arcanum“ ab, was so viel wie „Geheimnis“ oder „verborgene Sache“ bedeutet. Die Bezeichnung „große“ Arkana grenzt diese 22 Karten von der „kleinen“ Arkana ab, den 56 Karten der vier Farben Stäbe, Kelche, Schwerter und Münzen. Während die kleine Arkana traditionell eher für konkrete, alltägliche Situationen steht, wird der großen Arkana in der Praxis meist eine tiefere, überzeitliche Bedeutung zugesprochen, die grundlegende Lebensthemen berührt.

Die Reise des Narren als Erzählstruktur

Eine beliebte Herangehensweise, sich die große Arkana zu merken, ist das Konzept der sogenannten „Reise des Narren“. Dabei wird Der Narr, die erste Karte der großen Arkana, als eine Art Hauptfigur verstanden, die von Karte zu Karte verschiedene Lebenserfahrungen durchläuft, bis sie bei Die Welt, der letzten Karte, gewissermaßen einen Zustand der Vollendung erreicht. Diese Deutung ist keine historisch belegte ursprüngliche Absicht der Kartendesigner, sondern eine spätere, in der Praxis entstandene Interpretationshilfe, die vielen Einsteigerinnen und Einsteigern hilft, eine Struktur in die 22 Karten zu bringen.

Wichtig ist dabei zu betonen, dass diese Reise nicht linear im Sinne eines festen Zeitplans verstanden werden sollte. Vielmehr handelt es sich um wiederkehrende Themen, die im Laufe eines Lebens immer wieder auftauchen können, unabhängig von Alter oder Lebensphase.

Überblick über die Karten der großen Arkana

Im Folgenden ein knapper Überblick über einige zentrale Karten und ihre in der Tradition gebräuchlichen Grundbedeutungen:

  • Der Narr: Neubeginn, Unbekümmertheit, der Sprung ins Ungewisse.
  • Der Magier: Willenskraft, Handlungsfähigkeit, das Nutzen vorhandener Mittel.
  • Die Hohepriesterin: Intuition, verborgenes Wissen, innere Stille.
  • Die Herrscherin: Fülle, Fürsorge, schöpferische Kraft.
  • Der Herrscher: Struktur, Ordnung, Verantwortung.
  • Der Hierophant: Tradition, Lehre, gemeinsame Werte.
  • Die Liebenden: Verbindung, Wahl, Übereinstimmung von Werten.
  • Der Wagen: Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen, Bewegung.
  • Die Kraft: innere Stärke, Sanftmut im Umgang mit Herausforderungen.
  • Der Eremit: Rückzug, Selbstreflexion, Suche nach innerer Führung.
  • Rad des Schicksals: Wandel, Zyklen, Wendepunkte.
  • Die Gerechtigkeit: Ausgleich, Konsequenz, Wahrheit.
  • Der Gehängte: Innehalten, veränderte Perspektive, Loslassen von Kontrolle.
  • Der Tod: Abschluss, Übergang, das Ende eines Lebensabschnitts.
  • Die Mäßigkeit: Ausgleich, Geduld, das Zusammenführen von Gegensätzen.
  • Der Teufel: Bindung, Abhängigkeit, unbewusste Muster.
  • Der Turm: plötzlicher Umbruch, Zusammenbruch alter Strukturen.
  • Der Stern: Hoffnung, Inspiration, Vertrauen nach einer schwierigen Phase.
  • Der Mond: Unsicherheit, Traumwelt, verborgene Ängste.
  • Die Sonne: Klarheit, Freude, Lebendigkeit.
  • Das Gericht: Erwachen, Bilanz, ein Ruf zur Veränderung.
  • Die Welt: Vollendung, Integration, ein abgeschlossener Zyklus.

Diese Kurzbeschreibungen bilden lediglich einen ersten Ausgangspunkt. In der Praxis entwickeln erfahrene Leserinnen und Leser ein deutlich differenzierteres Verständnis jeder einzelnen Karte, das sich aus wiederholter Beschäftigung mit der jeweiligen Bildsprache speist.

Wie sich die große Arkana von der kleinen Arkana unterscheidet

Während die kleine Arkana oft als Spiegel des Alltags verstanden wird, konkrete Situationen, Begegnungen oder kurzfristige Entwicklungen betreffend, wird der großen Arkana in vielen Deutungssystemen ein größeres Gewicht zugeschrieben. Taucht in einer Legung eine auffällige Häufung von Karten der großen Arkana auf, deuten manche Praktizierende dies als Hinweis darauf, dass es in der befragten Situation um ein bedeutsameres, grundlegenderes Thema geht als um eine rein alltägliche Angelegenheit.

Dies ist jedoch keine feste Regel, sondern eine unter Praktizierenden verbreitete Faustregel, die je nach Schule und persönlichem Stil unterschiedlich gehandhabt wird. Manche Leserinnen und Leser messen der großen und kleinen Arkana bewusst gleiches Gewicht bei.

Wie man die große Arkana in Legungen liest

Beim Deuten einer Karte aus der großen Arkana lohnt es sich, zunächst das zentrale Bildmotiv zu betrachten und sich zu fragen, welches große Thema oder welcher Archetyp hier angesprochen wird. Anschließend kann man die traditionelle Grundbedeutung mit der konkreten Frage oder Situation der ratsuchenden Person verknüpfen.

Hilfreich ist es außerdem, die Position der Karte innerhalb einer größeren Legung zu berücksichtigen: Steht die Karte für die Vergangenheit, die Gegenwart oder eine mögliche zukünftige Entwicklung, verändert das die Art, wie ihre Bedeutung gelesen wird. Auch das Zusammenspiel mit benachbarten Karten kann die Deutung einer Karte aus der großen Arkana ergänzen oder nuancieren.

Die große Arkana als Werkzeug zur Selbstreflexion

Viele Menschen, die sich mit der großen Arkana beschäftigen, nutzen sie weniger zur Vorhersage konkreter Ereignisse als vielmehr als Anlass zum Nachdenken über die eigene Lebenssituation. Eine gezogene Karte wie Der Eremit etwa kann dazu einladen, über das eigene Bedürfnis nach Rückzug oder Reflexion nachzudenken, ohne dass damit eine konkrete zukünftige Handlung vorgegeben wäre.

Diese reflektierende Herangehensweise entspricht dem Verständnis vieler moderner Praktizierender, die Tarot in erster Linie als eine Art symbolischen Spiegel begreifen, der eigene Gedanken und Gefühle sichtbarer macht, statt als Instrument, das feststehende Antworten liefert.

Nummerierung und Zählweise der großen Arkana

Jede Karte der großen Arkana trägt traditionell eine römische oder arabische Ziffer, von 0 oder I bei Der Narr bis XXI bei Die Welt. Die genaue Zählweise unterscheidet sich leicht zwischen verschiedenen Deck-Traditionen: In manchen Systemen wird Der Narr mit der Zahl 0 versehen und steht damit gewissermaßen außerhalb der fortlaufenden Nummerierung, in anderen Systemen erhält er die Ziffer XXII und wird ans Ende der Reihe gestellt. Diese Unterschiede spiegeln unterschiedliche historische und esoterische Interpretationen wider, ändern aber grundsätzlich wenig an der inhaltlichen Bedeutung der Karte selbst.

Auch die Reihenfolge einiger mittlerer Karten, etwa Die Gerechtigkeit und Die Kraft, wurde in verschiedenen historischen Deck-Traditionen unterschiedlich gehandhabt. Während im klassischen Marseille-Tarot Die Kraft üblicherweise vor Die Gerechtigkeit erscheint, vertauschte das spätere Rider-Waite-Smith-Deck diese Reihenfolge aus esoterischen Überlegungen heraus. Für die praktische Deutung spielt diese Reihenfolge meist eine untergeordnete Rolle, sie ist jedoch ein interessantes Beispiel dafür, wie lebendig und wandelbar die Tarot-Tradition über die Jahrhunderte tatsächlich war.

Häufig gestellte Fragen zur großen Arkana

Eine Frage, die Einsteigerinnen und Einsteiger häufig beschäftigt, ist, ob man sich zunächst ausschließlich auf die große Arkana konzentrieren sollte, bevor man sich der kleinen Arkana zuwendet. Viele erfahrene Praktizierende empfehlen tatsächlich genau diesen Weg, da die große Arkana mit ihren 22 klar konturierten Themen einen überschaubaren Einstieg bietet, während die 56 Karten der kleinen Arkana mit ihren feineren Nuancen oft erst nach einer gewissen Grundvertrautheit mit dem Tarot leichter zugänglich werden.

Eine weitere häufige Frage betrifft den Umgang mit besonders herausfordernd wirkenden Karten wie Der Turm oder Der Teufel. Solche Karten werden in der traditionellen Deutung selten als Ankündigung eines konkreten negativen Ereignisses verstanden. Stattdessen laden sie eher dazu ein, sich mit Themen wie plötzlichem Wandel, inneren Abhängigkeiten oder losgelösten Denkmustern bewusst auseinanderzusetzen, ein Verständnis, das für die gesamte große Arkana charakteristisch ist: Auch scheinbar schwierige Karten bieten letztlich einen Anstoß zur Reflexion statt eine feststehende Prognose.

Die große Arkana in Kombination mit der kleinen Arkana

In einer vollständigen Legung erscheinen üblicherweise sowohl Karten der großen als auch der kleinen Arkana gemeinsam. Das Zusammenspiel beider Ebenen kann besonders aufschlussreich sein: Erscheint neben einer Karte der großen Arkana etwa eine Zahlenkarte der kleinen Arkana, lässt sich das große, archetypische Thema der einen Karte mit dem konkreteren, alltagsnäheren Aspekt der anderen Karte verknüpfen. Auf diese Weise ergänzen sich beide Kartengruppen zu einem vollständigeren Gesamtbild einer Situation, das sowohl übergeordnete als auch praktische Ebenen berücksichtigt.

Fazit

Die große Arkana bietet mit ihren 22 Karten einen reichen Fundus an Symbolik, der sich über Jahrzehnte der Beschäftigung immer wieder neu erschließen lässt. Für den Einstieg hilft die Vorstellung der Reise des Narren als grobe Orientierung, während die individuelle Bildsprache jeder Karte mit der Zeit ein immer differenzierteres Verständnis ermöglicht. Wer sich mit Geduld und Neugier auf diese 22 Karten einlässt, legt ein solides Fundament für die weitere Beschäftigung mit dem gesamten Tarot.

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