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Tarot für Anfänger: Die Karten und ihre traditionelle Bedeutung

Wer sich zum ersten Mal mit Tarotkarten beschäftigt, steht oft vor einem bunten Berg aus Symbolen, Zahlen und Figuren, die auf den ersten Blick verwirrend wirken können. Dabei folgt das Tarot einer klaren, jahrhundertealten Struktur, die sich mit ein wenig Geduld gut erschließen lässt. Dieser Artikel richtet sich an alle, die zum ersten Mal ein Deck in die Hand nehmen und verstehen möchten, wie es traditionell aufgebaut ist und welche Bedeutungen den einzelnen Karten in der Tarot-Tradition zugeschrieben werden.

Wichtig vorab: Tarot ist keine Wissenschaft und kein Instrument, mit dem sich die Zukunft mit Sicherheit vorhersagen lässt. Es handelt sich um eine kulturelle und spirituelle Praxis, die seit Generationen weitergegeben und immer wieder neu interpretiert wird. Viele Menschen nutzen die Karten heute vor allem als Werkzeug zur Selbstreflexion, als Impulsgeber für Gedanken oder als Möglichkeit, über eine Situation aus einem neuen Blickwinkel nachzudenken.

Ein kurzer Blick auf die Herkunft des Tarot

Die Ursprünge des Tarot liegen historisch nicht vollständig geklärt vor, doch die gängige Einordnung vieler Kartenhistoriker verortet die frühesten bekannten Tarotdecks im Italien des 15. Jahrhunderts, wo sie zunächst offenbar als Kartenspiel für den Adel dienten. Erst im Laufe der folgenden Jahrhunderte, insbesondere ab dem 18. Jahrhundert, entwickelte sich in Frankreich und später in England die Praxis, die Karten für Wahrsagerei und spirituelle Deutung zu nutzen. Diese Entwicklung ist eng verbunden mit esoterischen Strömungen jener Zeit, die den Karten symbolische und mystische Bedeutungen zuschrieben, die über das ursprüngliche Spiel hinausgingen. Bis heute existieren zahlreiche unterschiedliche Deck-Traditionen nebeneinander, von historischen Marseille-Decks bis zu dem im 20. Jahrhundert entstandenen Rider-Waite-Smith-Deck, das die Bildsprache vieler moderner Decks bis heute prägt. Wer sich für die Geschichte des Tarot interessiert, wird schnell feststellen, dass es nicht die eine „wahre“ Ursprungsgeschichte gibt, sondern ein Geflecht aus Handwerk, Spiel, Symbolik und späterer spiritueller Interpretation.

Der Aufbau eines klassischen Tarot-Decks

Ein traditionelles Tarot-Deck besteht aus 78 Karten, die sich in zwei große Gruppen unterteilen: die große Arkana mit 22 Karten und die kleine Arkana mit 56 Karten. Dieses Grundgerüst findet sich in nahezu allen gängigen Decks wieder, auch wenn sich die künstlerische Gestaltung stark unterscheiden kann.

Die große Arkana

Die 22 Karten der großen Arkana gelten in der Tarot-Tradition als die bedeutungsschwersten des Decks. Sie tragen Namen wie Der Narr, Der Magier, Die Hohepriesterin, Die Herrscherin oder Der Tod und stehen jeweils für große Lebensthemen, Wendepunkte oder archetypische Kräfte. Viele Praktizierende beschreiben die Abfolge dieser Karten, von Der Narr bis Die Welt, als eine Art symbolische Reise durch verschiedene Lebensphasen und Erfahrungen.

Die kleine Arkana

Die kleine Arkana besteht aus vier Farben zu je 14 Karten, ähnlich wie bei einem gewöhnlichen Kartenspiel mit Assen, Zahlenkarten und Hofkarten. Jede Farbe wird traditionell mit einem Element und bestimmten Lebensbereichen in Verbindung gebracht:

  • Stäbe (Feuer): stehen traditionell für Tatendrang, Kreativität, Energie und Unternehmungen.
  • Kelche (Wasser): werden mit Gefühlen, Beziehungen, Intuition und dem inneren Erleben verbunden.
  • Schwerter (Luft): symbolisieren in der Tradition Gedanken, Konflikte, Kommunikation und Entscheidungen.
  • Münzen bzw. Pentakel (Erde): stehen für die materielle Welt, Arbeit, Besitz und praktische Angelegenheiten.

Wie Praktizierende die Karten traditionell deuten

In der Tarot-Praxis wird jeder Karte eine Grundbedeutung zugeschrieben, die sich aus ihrer Bildsprache, ihrer Position im Deck und ihrer Zahl ableitet. Diese Grundbedeutungen sind über die Jahrzehnte in unzähligen Büchern dokumentiert worden und bilden so etwas wie ein gemeinsames Vokabular, auf das sich viele Leserinnen und Leser stützen. Gleichzeitig betonen erfahrene Praktizierende häufig, dass die Bedeutung einer Karte nie isoliert betrachtet werden sollte, sondern immer im Zusammenhang mit den umliegenden Karten und der gestellten Frage gelesen wird.

Auch die Ausrichtung einer Karte spielt in manchen Traditionen eine Rolle: Erscheint eine Karte umgekehrt, also auf dem Kopf stehend, deuten manche Praktizierende dies als eine Art Umkehrung, Blockade oder inneren Aspekt der ursprünglichen Bedeutung. Andere Leserinnen und Leser arbeiten bewusst nur mit aufrecht liegenden Karten, um die Deutung einfacher zu halten. Beide Herangehensweisen sind in der heutigen Praxis verbreitet, es gibt keine einzig richtige Methode.

Die ersten Schritte mit dem eigenen Deck

Für den Einstieg empfiehlt es sich, ein Deck zu wählen, dessen Bildsprache einen persönlich anspricht, da die Bilder eine zentrale Rolle beim intuitiven Verständnis spielen. Viele Anfängerinnen und Anfänger greifen zu einem Rider-Waite-Smith-inspirierten Deck, weil dessen Symbolik in vielen Lehrbüchern als Referenz dient und sich dadurch leichter nachschlagen lässt.

Statt sich gleich alle 78 Bedeutungen auswendig einzuprägen, kann es hilfreich sein, sich zunächst nur mit der großen Arkana vertraut zu machen, da sie überschaubarer ist und die grundlegenden Themen des Tarot gut abbildet. Ein eigenes Tarot-Tagebuch, in dem man tägliche Eindrücke zu gezogenen Karten notiert, unterstützt dabei, ein persönliches Verständnis für die Symbolik zu entwickeln, das über reines Auswendiglernen hinausgeht.

  • Eine Karte pro Tag ziehen und die eigenen Assoziationen notieren, bevor man ein Buch zurate zieht.
  • Sich Zeit lassen und nicht versuchen, alle Bedeutungen auf einmal zu lernen.
  • Die Bilder genau betrachten: Farben, Gesten, Tiere und Landschaften tragen oft zusätzliche Bedeutungsebenen.
  • Ein Kartenbuch oder eine vertrauenswürdige Quelle als Nachschlagewerk griffbereit halten.

Häufige Missverständnisse über Tarot

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist die Vorstellung, Tarotkarten könnten konkrete zukünftige Ereignisse mit Sicherheit vorhersagen. In der Tarot-Tradition wird die Praxis eher als Werkzeug zur Reflexion verstanden: Die Karten zeigen mögliche Perspektiven, Muster oder Denkanstöße auf, sie liefern jedoch keine Garantie dafür, wie sich eine Situation tatsächlich entwickeln wird. Seriöse Praktizierende weisen in der Regel deutlich darauf hin, dass Tarot kein Ersatz für medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Rat ist und wichtige Entscheidungen in diesen Bereichen immer mit entsprechenden Fachpersonen besprochen werden sollten.

Ein weiteres Missverständnis betrifft einzelne Karten, die im allgemeinen Sprachgebrauch oft negativ aufgeladen sind, etwa Der Tod oder Der Turm. In der traditionellen Deutung stehen solche Karten selten für tatsächliches physisches Unheil, sondern eher symbolisch für Wandel, das Loslassen alter Strukturen oder plötzliche Einsichten. Diese Umdeutung ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich mit der eigentlichen symbolischen Sprache des Tarot vertraut zu machen, statt sich von Titeln allein leiten zu lassen.

Praktische Übungen für den Einstieg

Eine einfache und beliebte Übung für Einsteigerinnen und Einsteiger ist die tägliche Einzelkarte: Man zieht morgens eine Karte, betrachtet sie in Ruhe und überlegt, welches Thema sie im Kontext des eigenen Tages ansprechen könnte. Diese Übung schult sowohl das Erinnern der traditionellen Bedeutungen als auch die eigene intuitive Wahrnehmung der Bildsprache.

Eine weitere hilfreiche Übung besteht darin, zu zweit oder in einer kleinen Gruppe über einzelne Karten zu sprechen und die jeweils eigenen Assoziationen auszutauschen. Auf diese Weise wird schnell deutlich, dass Tarot-Deutung immer auch einen persönlichen Anteil hat und nicht auf eine einzige „richtige“ Interpretation reduziert werden kann.

Verschiedene Tarot-Traditionen im Überblick

Neben dem bereits erwähnten Rider-Waite-Smith-Deck existieren weitere bedeutende Traditionen, die Anfängerinnen und Anfängern begegnen können. Das sogenannte Marseille-Tarot etwa, das auf ältere französische Kartendrucke zurückgeht, verzichtet bei den Karten der kleinen Arkana bewusst auf ausführliche Bildszenen und zeigt stattdessen lediglich die entsprechende Anzahl an Symbolen, etwa vier Schwerter oder sieben Kelche, ohne begleitende Figuren oder Landschaften. Wer mit einem solchen Deck arbeitet, ist stärker auf das auswendig gelernte Bedeutungswissen angewiesen, da die Bilder selbst weniger narrative Hinweise liefern.

Eine weitere bekannte Tradition ist das sogenannte Thoth-Tarot, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand und eine eigenständige, oft als komplexer empfundene Symbolik mit Bezügen zu Astrologie, Kabbala und anderen esoterischen Systemen verbindet. Für den ersten Einstieg empfehlen viele erfahrene Praktizierende dennoch eher ein Rider-Waite-Smith-inspiriertes Deck, da dessen bildreiche Darstellung auch der kleinen Arkana das intuitive Verständnis erleichtert und die meisten Einsteigerbücher sich auf genau diese Bildtradition beziehen.

Eine einfache erste Legung für den Einstieg

Bevor man sich an umfangreichere Legungen wagt, eignet sich für den Anfang eine deutlich einfachere Struktur: die Drei-Karten-Legung. Dabei werden lediglich drei Karten nebeneinander gelegt, die traditionell für Vergangenheit, Gegenwart und mögliche zukünftige Entwicklung stehen.

  • Karte 1 (links): Einflüsse aus der Vergangenheit, die zur aktuellen Situation beigetragen haben.
  • Karte 2 (Mitte): die gegenwärtige Situation oder das zentrale Thema der Frage.
  • Karte 3 (rechts): eine mögliche Tendenz oder Entwicklung, sofern sich an der aktuellen Situation nichts Grundlegendes ändert.

Diese übersichtliche Legung eignet sich besonders gut, um erste Erfahrungen im Zusammenspiel mehrerer Karten zu sammeln, ohne von der Komplexität einer zehnteiligen Legung überfordert zu werden. Mit wachsender Sicherheit lässt sich die Drei-Karten-Legung später leicht erweitern, etwa um eine vierte Karte für einen zusätzlichen Rat oder eine fünfte Karte für ein mögliches Hindernis.

Fazit

Tarot für Anfängerinnen und Anfänger zu erlernen bedeutet vor allem, sich Schritt für Schritt mit der Struktur des Decks, den vier Farben der kleinen Arkana und den großen Themen der großen Arkana vertraut zu machen. Wer sich Zeit lässt, die traditionellen Bedeutungen mit eigenen Notizen verbindet und die Praxis als Werkzeug zur Reflexion statt als Vorhersageinstrument versteht, wird schnell ein Gefühl für die reiche Symbolsprache des Tarot entwickeln, die seit Jahrhunderten Menschen fasziniert.

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