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Wurzel, Blatt, Blüte, Frucht: der Mondkalender im Herbstgarten

Knoblauchzehen auf dunkler Gartenerde neben einer kleinen Pflanzschaufel

Im Oktober steht in vielen Gartenkalendern neben dem Datum ein kleines Zeichen: eine Wurzel, ein Blatt, eine Blüte, eine Frucht. Wer Knoblauch stecken will, sucht die Wurzel, wer Feldsalat sät, das Blatt.

Die Einteilung wirkt uralt, und genau das ist sie nicht. Sie ist in dieser Form gut siebzig Jahre alt, sie stammt aus einer bestimmten Anbaurichtung, und sie rechnet mit einem anderen Tierkreis als das Horoskop in der Zeitung.

Der folgende Text zeigt, wie die vier Tagtypen entstehen, woher sie kommen, was von den Nachprüfungen übrig geblieben ist und wie sich der Kalender im Herbst anwenden lässt, ohne dass er den Garten regiert.

  • Die Einteilung: Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage, nach dem Element des Mondstandes
  • Herkunft: Anbauversuche ab den 1950er Jahren, jährlicher Kalender seit den 1960ern
  • Grundlage: die Sternbilder, nicht die Zeichen des tropischen Tierkreises
  • Dauer je Typ: ein bis drei Tage, dreimal im Monat wiederkehrend
  • Zweite Achse: auf- und absteigender Mond, nicht zu verwechseln mit zu- und abnehmend
  • Umstritten: Nachprüfungen an Versuchsflächen fallen uneinheitlich aus
  • Vorrangig im Herbst: Bodentemperatur, Feuchte und der erste Frost

Ein Kalender, der nach Pflanzenteilen sortiert

Die Grundidee ist schnell erzählt. Der Mond läuft in gut siebenundzwanzig Tagen einmal durch den ganzen Kreis, und je nachdem, vor welchem Abschnitt er gerade steht, gilt der Tag als Wurzel-, Blatt-, Blüten- oder Fruchttag.

Zugeordnet wird über die vier Elemente. Steht der Mond vor einem Erdabschnitt, ist Wurzeltag; vor einem Wasserabschnitt Blatttag; vor einem Luftabschnitt Blütentag; vor einem Feuerabschnitt Frucht- oder Samentag.

Die Empfehlung lautet dann, an jedem Tagtyp mit dem Pflanzenteil zu arbeiten, der ihm zugeordnet ist: Wurzelgemüse an Wurzeltagen, Salat an Blatttagen, Blumen an Blütentagen, Obst und Samenträger an Fruchttagen. Woher die Vierteilung der Elemente insgesamt stammt, behandelt der Text über die vier Elemente in der Astrologie.

Die vier Tagtypen im Überblick

Frisch geerntete Möhren und Rote Bete mit anhaftender Erde in einer Kiste
Joe Mabel / BY-SA 3.0
Element Abschnitte Tagtyp Pflanzenteil typische Herbstarbeit
Erde Stier, Jungfrau, Steinbock Wurzeltag Wurzel und Knolle Knoblauch stecken, Möhren ernten und einlagern
Wasser Krebs, Skorpion, Fische Blatttag Blatt und Stängel Feldsalat und Spinat säen, Kräuter zurückschneiden
Luft Zwillinge, Waage, Wassermann Blütentag Blüte Blumenzwiebeln setzen, Stauden teilen
Feuer Widder, Löwe, Schütze Fruchttag Frucht und Samen Lageräpfel ernten, Saatgut abfüllen

Die letzte Spalte ist eine Anwendung und keine Vorschrift. In den Kalendern selbst steht meist nur der Tagtyp, und die Zuordnung der Arbeiten ergibt sich aus dem Pflanzenteil, um den es gerade geht.

Zwei Fälle sind uneindeutig, und die Kalender lösen sie unterschiedlich. Kohlrabi zum Beispiel bildet eine Verdickung über dem Boden, und Zwiebeln werden im einen Fall als Wurzel, im anderen als Blatt geführt. Wer streng arbeiten will, sieht in seinem Kalender nach, statt es abzuleiten.

Die Aussaattage im Mondkalender und ihre Herkunft

Die Einteilung geht auf die Arbeit von Maria Thun zurück, die ab den 1950er Jahren über viele Jahre Anbauversuche durchführte und den zugehörigen Kalender seit den 1960er Jahren jährlich herausgab. Ihre Arbeit steht im Zusammenhang der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Der Ausgangspunkt war eine Beobachtung an Radieschen, die an verschiedenen Tagen gesät wurden und sich unterschiedlich entwickelten. Daraus entstand über Jahre die Zuordnung von Pflanzenteil und Mondstand, die heute in fast jedem Gartenkalender steht, oft ohne Quellenangabe.

Verbreitet hat sich die Einteilung weit über die Anbaurichtung hinaus, in der sie entstand. Sie steht inzwischen in Zeitschriften, Apps und Wandkalendern, meist ohne den Hinweis, dass sie aus dem zwanzigsten Jahrhundert stammt und einen bestimmten Ursprung hat.

Was aus dem Kurs von 1924 stammt und was nicht

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft geht auf eine Vortragsreihe von 1924 zurück. Dort ist von Zusammenhängen zwischen Himmelskörpern und Wachstum die Rede, und dort stehen die Grundlagen der Präparate, für die diese Richtung bekannt ist.

Die Vierteilung in Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttage steht in dieser Vortragsreihe nicht. Sie kam Jahrzehnte später dazu, aus den erwähnten Versuchen, und sie ist damit eine eigenständige Zutat und keine Überlieferung aus dem Gründungstext.

Für die Praxis ist die Unterscheidung nicht nebensächlich. Wer sagt, die Aussaattage seien Teil einer alten Lehre, verwechselt zwei Schichten, die rund dreißig Jahre auseinanderliegen und von verschiedenen Personen stammen.

Warum diese Kalender nicht zum Zeitungshoroskop passen

Ein Punkt sorgt regelmäßig für Verwirrung. Die Aussaatkalender rechnen mit den Sternbildern, also mit den tatsächlichen Sternmustern und deren ungleicher Ausdehnung am Himmel. Die Astrologie, die in Zeitungen und den meisten Programmen steht, rechnet mit dem tropischen Tierkreis, der am Frühlingspunkt festgemacht ist.

Zwischen beiden liegen inzwischen rund vierundzwanzig Grad, also fast eine ganze Zeichenbreite. Wer den Mondstand in einer astrologischen App nachsieht und ihn mit einem Aussaatkalender vergleicht, findet an vielen Tagen zwei verschiedene Angaben.

Keine der beiden ist ein Rechenfehler. Es sind zwei verschiedene Bezugssysteme mit zwei verschiedenen Zwecken. Nur mischen lassen sie sich nicht, und wer beides parallel benutzt, bekommt an einem von drei Tagen einen Widerspruch geliefert.

Wie lange ein Tagtyp dauert

Der Mond bleibt im Mittel gut zwei Tage vor demselben Abschnitt. Weil die Sternbilder unterschiedlich breit sind, schwankt die tatsächliche Dauer erheblich: von etwa einem Tag bis zu drei oder mehr.

Jeder Tagtyp kommt dadurch etwa dreimal im Monat vor, in Blöcken von ein bis drei Tagen, und die vier Typen wechseln sich in fester Reihenfolge ab. Wer eine bestimmte Arbeit an einem bestimmten Typ erledigen möchte, wartet also selten länger als eine Woche.

Die Reihenfolge selbst ist immer dieselbe und lässt sich merken: Erde, Wasser, Luft, Feuer, dann wieder von vorn. Wer weiß, welcher Typ heute gilt, weiß damit auch, was in den nächsten Tagen kommt, ohne noch einmal nachzuschlagen.

Für die Planung ist das die brauchbare Information. Ein Aussaatkalender legt keine seltenen Termine fest, sondern verteilt Arbeiten über den Monat, und das ist im Herbst der eigentliche Nutzen. Wie ein solcher Kalender aufgebaut wird, zeigt der Text über den Mondkalender für Einsteiger.

Auf- und absteigender Mond: die zweite Achse

Neben den vier Tagtypen führen diese Kalender eine zweite Einteilung, und sie wird häufiger verwechselt als jede andere Angabe. Gemeint ist, ob der Mond von Tag zu Tag höher oder tiefer über dem Horizont steht.

Diese Bewegung dauert rund zwei Wochen in jede Richtung und hat mit dem Licht nichts zu tun. Sie entspricht dem, was die Sonne im Lauf eines Jahres tut, nur eben im Lauf eines Monats.

In der Überlieferung dieser Kalender gilt die absteigende Zeit als Pflanzzeit: Umsetzen, Pflanzen, Düngen, Kompost ausbringen, weil der Saft nach unten gehe. In der aufsteigenden Zeit soll geerntet und geschnitten werden, was oberirdisch verwendet wird.

Belegt ist diese Begründung nicht, und die Kalender führen sie als Regel und nicht als Nachweis. Wer sie benutzt, sollte wenigstens wissen, dass sie eine eigene Achse bildet und nicht mit den vier Tagtypen zusammenhängt.

Zunehmend und abnehmend ist etwas anderes

Die dritte Angabe, die in denselben Kalendern steht, ist die Mondphase: zunehmend bis Vollmond, abnehmend bis Neumond. Sie hängt am Winkel zwischen Sonne und Mond und ist am Himmel unmittelbar zu sehen.

Diese Angabe wird ständig mit der auf- und absteigenden Bewegung verwechselt, auch in gedruckten Kalendern. Beide dauern etwa zwei Wochen, beide wechseln einmal im Monat die Richtung, und sie fallen nur zufällig zusammen.

Für die Praxis heißt das: drei voneinander unabhängige Angaben, die sich auf demselben Kalenderblatt drängeln. Wer alle drei gleichzeitig befolgen möchte, findet in manchen Monaten keinen einzigen passenden Tag. Wie die Phasen für sich gelesen werden, steht im Text über die Mondphasen und ihre traditionelle Bedeutung.

Die Sperrzeiten in solchen Kalendern

Neben den vier Typen markieren die Kalender Zeiträume, in denen von Gartenarbeit abgeraten wird. Dazu gehören die Stunden um die Durchgänge des Mondes durch die Knotenpunkte seiner Bahn, dazu Finsternisse und in manchen Ausgaben der erdnächste Punkt der Mondbahn.

Diese Angaben sind astronomisch eindeutig berechenbar; ihre Bewertung als ungünstig ist es nicht. Sie gehört zur Überlieferung dieser Kalender und wird dort als Erfahrungsregel geführt.

Praktisch fallen die Sperrzeiten kaum ins Gewicht, weil sie meist nur wenige Stunden umfassen. Wer an einem solchen Tag ohnehin arbeiten muss, weil das Wetter passt, verschiebt nichts, und das ist auch die Empfehlung der meisten erfahrenen Gärtnerinnen.

Bemerkenswert ist der Umfang dieser Markierungen im Vergleich der Ausgaben. Manche Kalender sperren wenige Stunden im Monat, andere mehrere Tage, und die Auswahl unterscheidet sich zwischen Herausgebern deutlich. Auch das spricht dafür, die Angaben als Vorschlag zu lesen.

Der Herbst: was in welche Tage fällt

Aufgehender Mond über einem abgeernteten Feld in der Dämmerung
  1. Wurzeltage im Oktober für Knoblauch, Steckzwiebeln und das Ernten von Möhren, Rote Bete und Pastinaken zum Einlagern.
  2. Blatttage für die letzten Aussaaten von Feldsalat und Spinat, solange der Boden noch warm genug ist.
  3. Blütentage für Blumenzwiebeln, für das Teilen von Stauden und für das Setzen von Zwiebeln, die im Frühjahr blühen sollen.
  4. Fruchttage für die Lagerernte von Äpfeln und Birnen und für das Abfüllen von Saatgut.
  5. Absteigende Zeit für Pflanzungen aller Art, für das Ausbringen von Kompost und für Gehölzarbeiten.
  6. Sperrzeiten überspringen, wenn sie in die Planung passen, und ignorieren, wenn das Wetter drängt.

Die Reihenfolge dieser Liste hat einen Grund. Sie beginnt mit den Arbeiten, die ohnehin in den Oktober gehören, und ordnet ihnen einen Tagtyp zu, statt umgekehrt den Kalender über den Garten zu stellen.

Was vom Mond am Gartenbeet ankommt

Zwei Wirkungen des Mondes sind unstrittig messbar. Die eine ist die Anziehung, die zusammen mit der Sonne die Gezeiten der Meere erzeugt. Die andere ist das Licht, das er in der Nacht auf den Boden wirft.

Die Anziehung fällt in einem Gartenbeet praktisch nicht ins Gewicht. Gezeiten entstehen, weil die Anziehung über die Ausdehnung eines ganzen Ozeans unterschiedlich stark wirkt; über die Länge eines Beetes ist dieser Unterschied verschwindend klein.

Das Licht dagegen ist vorhanden, wenn auch schwach. Eine Vollmondnacht ist heller als eine Neumondnacht, und für nachtaktive Tiere und für manche Pflanzen ist das ein Unterschied, den die Biologie untersucht. Für die Zuordnung von Wurzel- und Blatttagen liefert es allerdings keine Begründung, denn die hängt am Sternbild und nicht an der Helligkeit.

Diese Trennung lohnt sich, weil sie zwei Diskussionen auseinanderhält. Ob der Mond überhaupt etwas bewirkt, ist eine andere Frage als die, ob die Vierteilung nach Pflanzenteilen das Richtige zuordnet.

Was die Nachprüfungen ergeben haben

Die Wirkung der Aussaattage auf Ertrag und Haltbarkeit ist mehrfach unter kontrollierten Bedingungen untersucht worden, an landwirtschaftlichen Versuchsanstalten und im Rahmen von Hochschularbeiten. Die Ergebnisse fallen uneinheitlich aus, und ein durchgehend nachweisbarer Zusammenhang hat sich dabei nicht gezeigt.

Das ist keine Widerlegung der Praxis, sondern eine Einordnung. Wer nach dem Kalender arbeitet, tut etwas, das sich bisher nicht in Ertragszahlen abbilden lässt, und das gehört zu einer ehrlichen Beschreibung dazu.

Deutlich stärker wirken im Herbst drei andere Größen: die Bodentemperatur, die Feuchte und der Zeitpunkt des ersten Frostes. Wer Knoblauch zwei Wochen zu spät steckt, verliert mehr, als jeder Tagtyp ausgleichen könnte.

Ältere Mondregeln sind nicht dasselbe

In Bauernkalendern und in mündlicher Überlieferung gibt es Regeln zum Mond, die deutlich älter sind: Holz schlagen bei abnehmendem Mond, Kraut einlegen an bestimmten Tagen, Haareschneiden nach der Phase. Diese Regeln beziehen sich fast immer auf zunehmend und abnehmend.

Die Vierteilung nach Pflanzenteilen kommt darin nicht vor. Sie ist eine Ordnung des zwanzigsten Jahrhunderts, die auf ältere Vorstellungen aufsetzt, aber ihre eigene Systematik mitbringt.

Wer beides nebeneinanderlegt, sieht das sofort. Die alten Regeln sind einzeln, an Erfahrungen und an Arbeiten gebunden. Die neuen bilden ein geschlossenes Schema, das jeden Tag des Jahres einordnet, und geschlossene Schemata sind ein Kennzeichen für jüngere Systematik. Ähnlich verfährt der Text über Sternzeichen im Einklang mit der Natur mit anderem Material.

Den Kalender benutzen, ohne sich zu blockieren

Die brauchbare Haltung ist eine Reihenfolge. Zuerst kommt, was der Garten und das Wetter verlangen, danach die Frage, welcher der nächsten Tage dazu passt. Ein Mondkalender ist ein Ordnungsvorschlag, keine Bedingung.

Wer es umgekehrt macht, gerät im Oktober regelmäßig in die Lage, bei trockenem Wetter nicht zu arbeiten und dann bei Regen doch. Der Garten verzeiht das eine Weile und irgendwann nicht mehr.

Wer prüfen will, ob die Einteilung für den eigenen Boden etwas bringt, führt eine Zeile pro Aussaat: Datum, Tagtyp, Wetter, Ergebnis. Nach zwei Jahren liegt etwas vor, das sich ansehen lässt, und das ist mehr, als die meisten Kalendernutzer je zusammentragen.

Häufige Fragen

Woher weiß ich, welcher Tagtyp gerade ist?

Aus einem Kalender, der mit den Sternbildern rechnet. Der Mondstand aus einer astrologischen App führt in die Irre, weil dort der tropische Tierkreis zugrunde liegt und die Angabe um fast ein Zeichen abweicht.

Muss ich mich an die Aussaattage halten?

Nein. Es ist ein Ordnungssystem mit einer bestimmten Herkunft, und die Nachprüfungen sind uneinheitlich ausgefallen. Wer damit arbeitet, gewinnt vor allem eine Struktur für die Gartenarbeit, und das ist ein anerkennenswerter Grund.

Was mache ich, wenn Tagtyp und Wetter nicht zusammenpassen?

Nach dem Wetter arbeiten. Bodentemperatur und Feuchte entscheiden im Herbst über das Anwachsen, und kein Tagtyp gleicht einen zu späten Termin aus.

Gilt die Einteilung auch für Zimmerpflanzen?

In den Kalendern werden Umtopfen und Gießen ebenfalls zugeordnet, meist über die absteigende Zeit und die Blatttage. Belege dafür gibt es nicht, und der Standort am Fenster wirkt sich deutlich stärker aus.

Ist das dasselbe wie das Gärtnern nach den Mondphasen?

Nein. Die Mondphase ist eine dritte Angabe, unabhängig von den Tagtypen und vom Auf- und Absteigen. Wer alle drei gleichzeitig befolgt, hat in manchen Monaten fast keine Arbeitstage mehr übrig.

Wer den Kalender im Oktober aufschlägt, hat vier Zeichen, zwei weitere Einteilungen und eine Menge Arbeit vor sich. Die brauchbare Reihenfolge bleibt dieselbe: erst der Boden, dann das Wetter, dann das Zeichen am Rand des Blattes.

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