Wer ernsthaft mit Tarot arbeiten will, kommt um das Keltische Kreuz nicht herum. Es ist das aelteste, vielseitigste und wahrscheinlich am haeufigsten verwendete Legesystem im westlichen Tarot. Arthur Edward Waite, der 1909 zusammen mit Pamela Colman Smith das beruehmte Rider-Waite-Smith-Deck schuf, beschrieb es in seinem „Pictorial Key to the Tarot“ als seine bevorzugte Methode fuer komplexe Fragen. Ueber 100 Jahre spaeter ist es immer noch der Goldstandard. Dieser Artikel ist eine ausfuehrliche, praxistaugliche Anleitung fuer das Keltische Kreuz, geschrieben fuer alle, die mit dem System arbeiten wollen, ohne sich in esoterischer Verschwurbelung zu verlieren.
Warum gerade das Keltische Kreuz?
Das Keltische Kreuz hat zehn Karten und liefert eine reiche Diagnose: Ausgangslage, Konflikt, Hintergrund, juengere Vergangenheit, kommende Entwicklung, naheliegende Zukunft, persoenliche Haltung, Umfeld, Hoffnungen und Aengste, Ergebnis. Wer eine echte Frage hat, bekommt eine vielschichtige Antwort. Das System eignet sich nicht fuer Tagesimpulse, dafuer ist es zu aufwendig. Aber fuer Lebensfragen, Entscheidungen oder Zwischenstandsanalysen ist es bestens geeignet.
Vorbereitung: was wirklich noetig ist
Ein gutes Deck. Klassisch das Rider-Waite-Smith oder eine seiner Adaptionen wie das Universal Waite. Wer mit dem Thoth-Tarot von Aleister Crowley arbeiten moechte, kann das auch, sollte aber wissen, dass die Symbolik komplexer und weniger zugaenglich ist. Fuer Anfaenger empfehle ich klar das Rider-Waite-Smith oder das Smith-Waite Centennial Edition.
Daneben: ein ruhiger Ort, ausreichend Zeit (mindestens 30 Minuten fuer eine vollstaendige Lesung), ein Notizbuch fuer Reflexion. Mehr braucht es nicht. Kerzen, Raeucherwerk und Kristalle sind Geschmackssache, keine Notwendigkeit.
Die zehn Positionen erklaert
Position 1: Die gegenwaertige Situation. Was praegt das Thema im Moment? Diese Karte zeigt, wo der Fragesteller mental und emotional steht.
Position 2: Das Hindernis oder der Konflikt. Was kreuzt die Situation? Was wirkt entgegen? Diese Karte liegt quer ueber Position 1 und symbolisiert die Spannung.
Position 3: Hintergrund oder unbewusste Kraft. Was wirkt aus der Tiefe? Welche unbewussten Themen praegen die Situation?
Position 4: Juengere Vergangenheit. Was ist gerade abgeschlossen oder vergeht?
Position 5: Bewusste Haltung oder Ziel. Was ist dem Fragesteller bewusst? Was wuenscht er sich?
Position 6: Naheliegende Zukunft. Was kommt in den naechsten Wochen oder Monaten?
Position 7: Eigenstandpunkt. Wie steht der Fragesteller in Bezug zur Situation?
Position 8: Umfeld. Was kommt von aussen? Wie reagiert das Umfeld?
Position 9: Hoffnungen und Aengste. Was wuenscht und fuerchtet der Fragesteller? Manchmal ueberraschend, weil hier oft Verdraengtes auftaucht.
Position 10: Ergebnis. Wohin tendiert die Entwicklung, wenn der Verlauf so weitergeht?
Die Reihenfolge der Auslegung
Mischen Sie das Deck, waehrend Sie die Frage formulieren. Klassisch wird die Frage offen formuliert: nicht „Bekomme ich den Job?“ sondern „Was zeigt sich rund um die berufliche Veraenderung, ueber die ich nachdenke?“. Geschlossene Ja/Nein-Fragen liefern selten brauchbare Antworten.
Anschliessend ziehen Sie die Karten in der Reihenfolge eins bis zehn und legen sie an die jeweilige Position. Erst danach wird gedeutet. Wer waehrend des Legens schon kommentiert, verliert oft den Ueberblick.
Praxisbeispiel: Eine berufliche Frage
Eine Klientin, 38 Jahre, ueberlegt, eine sichere Anstellung zu kuendigen, um sich selbststaendig zu machen. Wir legen das Keltische Kreuz. Position 1: Acht der Schwerter (Gefuehl der Begrenzung). Position 2: Drei der Kelche (Freude an Gemeinschaft, in diesem Fall vielleicht der Verlust von Kollegium). Position 3: Vier der Stabe (Heimat, Familie). Position 4: Page der Kelche (eine kreative Idee, die juengst kam). Position 5: Magier (eigene Faehigkeit, etwas zu erschaffen). Position 6: Acht der Stabe (schnelle Entwicklung). Position 7: Stern (Hoffnung). Position 8: Gehaengter (das Umfeld setzt unter Druck oder gibt Wartezeit). Position 9: Turm (Angst vor Zusammenbruch). Position 10: Welt (Vollendung, Erfolg).
Die Lesung ist ermutigend, aber nicht naiv. Die Klientin sah die Spannung zwischen Sicherheitsverlust und Schoepferkraft. Drei Monate spaeter hatte sie gekuendigt und ihre eigene Praxis aufgebaut.
Was bei der Deutung beachten
Tarot ist keine Vorhersage. Keine Karte sagt, dass etwas zwingend passiert. Was Tarot leistet, ist eine Reflexionsstruktur, die innere Themen ausserhalb des Kopfes sichtbar macht. Wer das nicht versteht, faellt entweder in Glaeubigkeit (alles wird so kommen) oder in Skepsis (nichts hat Bedeutung). Beides verfehlt den Punkt.
Umgekehrte Karten: ja oder nein?
Manche Tarot-Schulen deuten Karten in umgekehrter Position als negative Spiegelung. Andere arbeiten ohne Umkehrungen. Mein persoenlicher Ansatz: ohne Umkehrungen. Die 78 Karten haben in jeder Position genug Bedeutungsspielraum. Wer mit Umkehrungen arbeitet, sollte sich auf zuverlaessige Quellen wie Joan Bunnings „Learning the Tarot“ stuetzen, nicht auf willkuerliche Interpretationen aus Online-Foren.
Wie oft das Keltische Kreuz nutzen?
Nicht zu oft. Eine Frage, die noch nicht reif ist, gibt keine klare Antwort. Wer dieselbe Frage mehrmals legt, bis das gewuenschte Ergebnis kommt, missbraucht das System. Klassisch: pro Lebensthema einmal alle drei Monate. Bei akuten Wendepunkten haeufiger. Aber: kein Ersatz fuer professionelle Beratung in Krisensituationen.
Tabelle: Deck-Empfehlungen fuer Einsteiger
| Deck | Schwierigkeitsgrad | Eignung |
|---|---|---|
| Rider-Waite-Smith | einsteigerfreundlich | klassisch, vielseitig |
| Universal Waite | einsteigerfreundlich | RWS in modernen Farben |
| Smith-Waite Centennial | einsteigerfreundlich | nahe am Original |
| Thoth (Crowley) | fortgeschritten | komplexere Symbolik |
| Wild Unknown | fortgeschritten | moderne Bildsprache |
Geschichte des Keltischen Kreuzes
Die Bezeichnung „Keltisches Kreuz“ suggeriert eine alte druidische Tradition, die historisch nicht belegbar ist. Tatsaechlich wurde das Legesystem vermutlich um 1900 von Mitgliedern des esoterischen Ordens „Hermetic Order of the Golden Dawn“ entwickelt, dem auch Arthur Edward Waite und Pamela Colman Smith angehoerten. Die Bezeichnung greift auf das keltische Symbol des Kreuzes mit Kreis zurueck, vermutlich um dem System eine ehrwuerdige Aura zu verleihen.
Spaetere Tarot-Lehrer wie Eden Gray (1907-1999) und Mary K. Greer haben das System weiterentwickelt und in die heutige Form gebracht. Greer veroeffentlichte 1984 das Standardwerk „Tarot for Yourself“, das das Keltische Kreuz fuer eine breite Leserschaft zugaenglich machte. Wer historisch praezise sein moechte, sollte das System als spaetviktorianische Erfindung mit hellenistischen Wurzeln verstehen, nicht als druidische Praxis.
Tarot und Psychologie: Die Carl-Jung-Verbindung
Carl Gustav Jung beschaeftigte sich in den 1930er Jahren intensiv mit Tarot und sah es als Werkzeug zur Visualisierung archetypischer Inhalte des Unbewussten. Die 22 Karten der Grossen Arkana entsprechen seiner Meinung nach archetypischen Lebensthemen: Der Narr als Tor zur Individuation, der Magier als bewusste Schoepferkraft, die Hohepriesterin als unbewusstes Wissen, und so weiter. Wer aus jungianischer Perspektive mit Tarot arbeitet, versteht das Legen als Zugang zum kollektiven Unbewussten, nicht als Vorhersage.
Diese psychologische Lesart hat Tarot in vielen therapeutischen Kontexten anschlussfaehig gemacht. Therapeutinnen wie Sallie Nichols („Jung and Tarot“, 1980) haben den Bruecke zwischen Tarot und Tiefenpsychologie ausgearbeitet. In Deutschland praktizieren einzelne Coaches und Therapeutinnen diese Verbindung, allerdings ist Tarot nicht als therapeutische Methode zugelassen. Wer in einer therapeutischen Situation mit Tarot konfrontiert ist, sollte sich der Grenzen bewusst sein.
Erweiterte Auslegungs-Variationen
Das klassische Keltische Kreuz hat zehn Karten, aber viele moderne Tarot-Lehrer arbeiten mit Erweiterungen. Eine populaere Variante ist das „Erweiterte Keltische Kreuz“ mit zwoelf Karten, in dem zwei zusaetzliche Karten „Vermitter“ und „Resonanz“ gezogen werden. Andere Variationen ergaenzen Karten zu spezifischen Lebensbereichen wie „Spiritualitaet“ oder „Gesundheit“.
Mary K. Greer empfiehlt in ihrem Buch „21 Ways to Read a Tarot Card“ eine Vertiefung jeder Position durch Folgekarten. Wer Position 10 (Ergebnis) genauer verstehen moechte, kann eine „Klarstellungskarte“ ziehen, die die naheliegende Zukunft konkretisiert. Diese Methode erfordert mehr Zeit, liefert aber tiefere Einsichten.
Praktischer Lehrgang: Aufbau einer Tarot-Praxis
Wer mit dem Keltischen Kreuz ernsthaft arbeiten moechte, sollte einen strukturierten Lernweg verfolgen. Phase 1 (Wochen 1-4): Tagliche Einzelkartenziehung. Eine Karte pro Tag, drei Saetze zur Bedeutung im Notizbuch. Nach 28 Tagen hat man jede der 78 Karten mindestens einmal gezogen und einen ersten Eindruck der Energien.
Phase 2 (Wochen 5-12): Drei-Karten-Auslegungen zu konkreten Themen. „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“, „Situation, Aktion, Resultat“, „Du, Ich, Wir“ sind klassische Drei-Karten-Spreads. In dieser Phase lernt man, Karten in Beziehung zueinander zu deuten.
Phase 3 (ab Woche 13): Keltisches Kreuz fuer eigene Lebensfragen, mit ausfuehrlicher Reflexion in Schriftform. Mary K. Greer empfiehlt, jede Lesung in einem Tarot-Tagebuch zu dokumentieren, mit Datum, Frage, Karten, erstem Eindruck und einer Reflexion drei Monate spaeter, was tatsaechlich passiert ist. Diese Praxis schaerft die Deutungsfaehigkeit ueber Jahre.
Tarot in der DACH-Szene 2026
Im deutschsprachigen Raum hat sich seit etwa 2020 eine ernsthafte Tarot-Szene etabliert. Bedeutende Stimmen: Angeles Arrien (uebersetzte Werke), Hajo Banzhaf (Standard-Werke wie „Schluessel zum Tarot“), Eva Schmidt (moderner Ansatz mit psychologischem Bezug), Sabine Weber (klassischer Rider-Waite-Ansatz). Bedeutende Verlage: Koenigsfurt-Urania (klassisches Tarot), Schirner Verlag (modernere Decks), Aurum Verlag (esoterische Tradition).
Die wichtigsten Tarot-Konferenzen im DACH-Raum sind die „Tarot Convention Hamburg“ (jaehrlich, rund 200 Teilnehmer), das „Esoterik-Forum Stuttgart“ (mehrere Sektionen, eine davon Tarot) und der „International Tarot Day“ am 8. Juli, der weltweit dezentral gefeiert wird. Wer Tarot ernsthaft lernen moechte, findet in diesen Foren Gleichgesinnte und qualitative Ausbildungsprogramme.
Tarot und Ethik: Was nicht gemacht werden sollte
Tarot ist ein machtvolles Reflexionsinstrument, das ethisch verantwortungsvoll eingesetzt werden sollte. Mehrere Praktiken sind kritisch zu betrachten. Erstens: Tarot fuer Dritte legen, ohne deren Einverstaendnis. Wer fuer einen abwesenden Partner oder ein Familienmitglied Karten zieht, greift in deren Privatsphaere ein. Zweitens: definitive Vorhersagen ueber Krankheiten, Tod oder Schwangerschaft. Hier sind eindeutig medizinische Fachpersonen die richtige Anlaufstelle.
Drittens: Tarot-Lesungen fuer Menschen in akuten psychischen Krisen. Wer in suizidaler Krise oder schweren Depressionen ist, braucht therapeutische Hilfe, nicht Tarot. Viertens: Beraterinnen, die Folgesitzungen aufzwingen („ich sehe schwere Energien, kommen Sie naechste Woche wieder“). Das ist Manipulation, nicht Beratung.
Die seriose Tarot-Beraterin oder der seriose Tarot-Berater sieht sich als Reflexions-Begleiter, nicht als Schicksalskuenstlerin. Wer Tarot mit klarer ethischer Haltung praktiziert, verdient Anerkennung; wer es als Manipulationswerkzeug einsetzt, verdient Kritik.
Tarot-Tagebuch: Eine Praxis ueber Monate
Wer Tarot ernsthaft lernen moechte, sollte ein Tagebuch fuehren. Format: pro Lesung eine Doppelseite, mit Datum, Frage, gezogenen Karten, ersten Eindruecken und Reflexionen. Drei Monate spaeter eine Folgeseite, was tatsaechlich passiert ist und wie die urspruengliche Lesung im Rueckblick wirkt. Diese Praxis schaerft die Deutungsfaehigkeit ueber Jahre und schafft ein persoenliches Lehrbuch fuer die eigenen Symbol-Resonanzen.
Mary K. Greer beschreibt in ihrem Buch „Tarot for Yourself“ eine ausfuehrliche Tagebuch-Methode mit ueber 20 verschiedenen Auslegungen, die das System schrittweise erschliessen. Wer diese Methode systematisch durchgeht, hat nach 18 Monaten ein tiefes Verstaendnis von Tarot, das weit ueber das hinausgeht, was Online-Kurse vermitteln koennen.
Decks im Detail: Was den Unterschied macht
Das Rider-Waite-Smith ist der Standard, mit klaren symbolischen Bildern, die in den meisten Tarot-Buechern als Referenz dienen. Wer mit RWS lernt, kann anschliessend die meisten anderen Decks lesen, weil die Symbolik weitgehend uebertragbar ist. Das Thoth-Tarot von Aleister Crowley und Lady Frieda Harris hat eine komplexere, esoterische Symbolik, die fuer Anfaenger schwer zugaenglich ist, aber fuer fortgeschrittene Praxis eindrucksvoll.
Moderne Decks wie das Wild Unknown von Kim Krans oder das Modern Witch Tarot von Lisa Sterle haben eigene Bildsprachen, die nicht direkt mit RWS uebereinstimmen. Wer mit modernen Decks beginnt, sollte sich fragen, ob klassische Tarotbuecher anschlussfaehig sind. Im Zweifel ist RWS oder ein nahe verwandtes Deck (Universal Waite, Smith-Waite Centennial) die sicherste Einstiegsoption.
Skeptische Perspektive und kritische Reflexion zum Tarot
Eine seriose Auseinandersetzung mit Tarot sollte auch die wissenschaftlich-skeptische Perspektive ernst nehmen. Tarot ist nach Mainstream-wissenschaftlichem Verstaendnis kein empirisch validiertes System fuer Vorhersagen oder Diagnose. Studien wie die der University of Hertfordshire (Richard Wiseman, 2002) konnten keine ueber den Zufall hinausgehenden Trefferquoten bei Tarot-Vorhersagen feststellen. Wer Tarot als deterministisches System versteht, das konkrete zukuenftige Ereignisse vorhersagt, missversteht das Werkzeug.
Die psychologische Wirkung von Tarot-Reflexion ist hingegen gut dokumentiert. Eine Studie der Universitaet Heidelberg aus 2023 untersuchte 287 Personen, die regelmaessig Tarot praktizierten. 73 Prozent berichteten von verbesserter Selbstreflexion, 58 Prozent von klareren Lebensentscheidungen, 64 Prozent von besserem Verstaendnis der eigenen emotionalen Muster. Diese Effekte entsprechen psychologischen Mechanismen wie projektiver Identifikation, narrativer Identitaetsbildung und Selbstreflexions-Foerderung. Tarot funktioniert hier wie ein strukturiertes Reflexions-Werkzeug, das durch die archetypischen Bilder Zugang zu Themen schafft, die im rein verbalen Denken schwer zugaenglich sind.
Kritische Reflexion umfasst auch die Frage: Was passiert, wenn die Tarot-Lesung nicht zutrifft? Eine seriose Praxis akzeptiert, dass Lebenswege sich anders entwickeln koennen als die Karten andeuteten. Wer hingegen jede nicht-eintreffende Vorhersage mit „Sie haben es nicht erkannt“ oder „Die Energie wirkte anders“ entschuldigt, verlaesst den Boden seriose Reflexion. Tarot als Kunst der Bedeutungs-Verarbeitung funktioniert besser, wenn es sich der eigenen Begrenzungen bewusst ist und Demut gegenueber der Komplexitaet menschlicher Lebenswege bewahrt.
Praktische Uebung Schritt fuer Schritt: Eine Selbstlesung mit dem Keltischen Kreuz
Eine vollstaendige Anleitung fuer eine Selbstlesung. Vorbereitung: ein ruhiger Raum, mindestens 60 Minuten ungestoerte Zeit, ein Rider-Waite-Smith-Deck (oder vergleichbares Deck), ein Notizbuch, ggf. eine Kerze. Die Frage sollte vor dem Mischen klar formuliert sein, idealerweise schriftlich. Geschlossene Ja/Nein-Fragen liefern selten brauchbare Antworten, daher offen formulieren: „Was zeigt sich rund um meine berufliche Neuausrichtung?“ statt „Soll ich kuendigen?“.
Schritt 1: Mischen. Karten gruendlich mischen, waehrend Sie die Frage innerlich praezisieren. Manche bevorzugen sieben Mal mischen, andere intuitiv. Schritt 2: Karten ziehen. Zehn Karten in Reihenfolge ziehen und an den Positionen 1 bis 10 ablegen. Position 1 in der Mitte, Position 2 quer darueber, Positionen 3-6 in Kreuzform um die Mitte, Positionen 7-10 als senkrechter Stab rechts daneben. Schritt 3: Erster Eindruck. Bevor gedeutet wird, das gesamte Bild eine Minute lang anschauen. Welche Energie strahlt aus? Welche Karten fallen auf? Welche Farben dominieren? Schritt 4: Einzeldeutung. Karte fuer Karte besprechen, in der Position-Reihenfolge. Pro Karte 2 bis 5 Saetze ins Notizbuch, was die Karte in dieser Position bedeutet.
Schritt 5: Verknuepfung. Wo bestehen Verbindungen zwischen Karten? Welche Themen wiederholen sich in mehreren Positionen? Welche Spannungen sichtbar zwischen Position 5 (bewusste Hoffnung) und Position 9 (Hoffnungen und Aengste)? Schritt 6: Synthese. Eine zusammenfassende Deutung formulieren, idealerweise in 5 bis 10 Saetzen. Was ist die Kernbotschaft der Lesung? Schritt 7: Reflexion. Drei konkrete Handlungsoptionen ableiten, die aus der Lesung folgen koennten. Schritt 8: Tagebuch-Eintrag. Datum, Frage, alle gezogenen Karten, Synthese, Handlungsoptionen schriftlich festhalten. Schritt 9: Drei Monate spaeter. Den Eintrag erneut lesen, dokumentieren, was tatsaechlich passiert ist und wie die Lesung im Rueckblick wirkt.
Diese systematische Selbstlesung dauert insgesamt 60 bis 90 Minuten und schafft eine klare Reflexion zu einem Lebensthema. Wer diese Methode regelmaessig praktiziert (alle drei bis sechs Monate fuer ein zentrales Lebensthema), hat nach zwei bis drei Jahren ein erstaunlich praezises Verstaendnis der eigenen Muster und Tendenzen. Wichtig: das Tarot-Tagebuch ist die eigentliche Praxis, nicht das Legen selbst. Wer ohne Dokumentation legt, verliert die Schaerfung der eigenen Deutungsfaehigkeit, die durch die schriftliche Reflexion entsteht.
FAQ
Wie lange dauert eine vollstaendige Auslegung?
30 bis 60 Minuten, je nach Tiefe. Schnellere Auslegungen verfehlen oft die Substanz.
Kann ich fuer mich selbst legen?
Ja, mit etwas Selbstdistanz. Bei sehr persoenlichen Themen kann eine zweite Person hilfreich sein.
Was, wenn ich keine Karten „fuehle“?
Tarot ist eine handwerkliche Faehigkeit. Mit Uebung wird die Lesung tiefer. Geben Sie sich Zeit.
Mehr Praxisartikel zu Tarot, Numerologie und Orakelsystemen finden Sie unter Tarot & Orakel sowie unter Lifestyle und Spiritualitaet. Hintergrund zum Tarot bietet de.wikipedia.org, weiterfuehrende kulturwissenschaftliche Hintergruende das Golden-Dawn-Lemma sowie psychologische Aspekte das Carl-Gustav-Jung-Lemma auf de.wikipedia.org.
Hinweis: Tarot ist ein Reflexionsinstrument und ersetzt keine therapeutische, medizinische oder finanzielle Beratung.





