Ein Heft mit zweihundert Einträgen, jeder mit drei gezogenen Karten und einem Absatz Deutung. Beim Durchblättern nach einem Jahr bleibt eine unangenehme Feststellung: Es lässt sich nicht sagen, ob eine dieser Deutungen getragen hat.
Der Grund liegt nicht an der Menge und nicht an der Sorgfalt. Er liegt daran, dass in den Einträgen zwei Angaben fehlen, ohne die keine Bewertung möglich ist: der genaue Wortlaut der Frage und ein Termin, an dem nachgesehen wird.
Sechs Felder pro Eintrag genügen, um das zu beheben. Sie kosten beim Schreiben etwa drei Minuten und machen aus einer Sammlung von Notizen etwas, das sich nach drei Monaten auswerten lässt.
- Feld eins: Datum und Uhrzeit
- Feld zwei: die Frage im Wortlaut, vor dem Mischen geschrieben
- Feld drei: Legesystem und Belegung der Positionen
- Feld vier: die gezogenen Karten, unkommentiert
- Feld fünf: die Deutung, höchstens drei Sätze
- Feld sechs: der Prüftermin, als Datum
- Auswertung: nach drei Monaten, in einem Durchgang
Ein Heft voller Karten und keine Auskunft
Die meisten Hefte, die in Kursen gezeigt werden, sind sorgfältig geführt. Die Karten stehen drin, oft sogar gezeichnet, die Deutungen sind ausführlich, und manche Einträge füllen zwei Seiten.
Was fehlt, ist die Möglichkeit, hinterher etwas festzustellen. Ohne die genaue Frage lässt sich nicht sagen, worauf die Deutung antworten sollte, und ohne Prüftermin bleibt offen, wann die Sache entschieden ist.
Ein Journal, das diese beiden Angaben enthält, sieht nüchterner aus als eines mit langen Absätzen. Es leistet dafür etwas, das die schöneren Hefte nicht leisten.
Was ein Journal von einer Sammlung unterscheidet
Eine Sammlung hält fest, was geschehen ist. Ein Journal hält zusätzlich fest, was erwartet wurde, und zwar bevor sich zeigen konnte, ob die Erwartung zutrifft.
Diese Reihenfolge ist der ganze Unterschied. Rückblickend lässt sich zu fast jeder Karte eine Begebenheit finden, die passt, weil die Erinnerung nachträglich aufräumt und weil die Bildsprache breit genug ist, um vieles aufzunehmen.
Deshalb steht in einem Journal die Deutung vor dem Ereignis und wird danach nicht mehr verändert. Ergänzungen kommen in eine eigene Zeile, mit eigenem Datum.
Ein Tarot Journal führen, das sich auswerten lässt
Die sechs Felder sind keine Erfindung, sondern eine Verdichtung dessen, was ohnehin in guten Heften steht. Neu ist allein die Beschränkung: Was nicht in eines der sechs Felder passt, kommt nicht in den Eintrag.
Diese Beschränkung ist der unbequeme Teil. Sie kostet die ausführliche Beschreibung des Bildeindrucks und die Assoziationen, die beim Legen aufkommen, und sie ist der Grund, warum ein solcher Eintrag in drei Minuten fertig ist.
Wer beides möchte, führt zwei Hefte. Das Journal bleibt knapp und prüfbar, das zweite Heft nimmt auf, was sonst wegfällt, und die beiden werden nicht vermischt.
Die Reihenfolge der Felder ist nicht beliebig. Sie folgt dem Ablauf einer Legung, und wer sie einhält, kann keinen Eintrag schreiben, in dem die Deutung vor der Frage steht. Das klingt nach einer Formalie und verhindert den häufigsten Fehler beim Führen eines Hefts.
Feld eins: Datum und Uhrzeit
Das Datum ist selbstverständlich, die Uhrzeit nicht. Sie kostet fünf Sekunden und beantwortet später eine Frage, die sich sonst nicht mehr klären lässt: ob eine Legung vor oder nach einem bestimmten Gespräch stattfand.
Bei mehreren Legungen am selben Tag ist sie ohnehin nötig. Ohne Uhrzeit stehen zwei Einträge nebeneinander, und die Reihenfolge, in der sie entstanden sind, geht verloren.
Als Prüfkriterium für dieses Feld genügt eine Frage: Lässt sich der Eintrag eindeutig in eine zeitliche Reihe einsortieren? Wenn nein, fehlt eine Angabe.
Feld zwei: die Frage im Wortlaut
Dieses Feld wird am häufigsten abgekürzt und ist das wichtigste. Nicht das Thema gehört hinein, sondern der Satz, so wie er formuliert wurde, mit Fragezeichen.
Der Grund ist praktisch. Zwei Fragen zum selben Thema können völlig verschiedene Antworten zulassen, je nachdem, ob sie nach einer Entscheidung, nach einem Anteil oder nach einem Zeitpunkt fragen. Wer nur das Thema notiert, verliert diese Unterscheidung.
Der Satz wird geschrieben, bevor gemischt wird, und danach nicht mehr angepasst. Eine Frage, die während der Deutung präzisiert wird, ist eine neue Frage und bekommt einen neuen Eintrag.
Ein Nebeneffekt zeigt sich schon nach wenigen Wochen. Wer die Frage aufschreiben muss, formuliert sie anders, als wenn er sie nur denkt, und ein Teil der Fragen wird beim Schreiben verworfen, weil sich beim Hinsehen zeigt, dass sie keine Antwort zulassen.
Feld drei: Legesystem und Positionen
Hier steht, welche Legung verwendet wurde und wofür die einzelnen Plätze stehen. Bei einer Dreierlegung sind das drei kurze Angaben, bei größeren Auslagen genügt der Name des Systems.
Der Punkt dabei ist die Reihenfolge. Die Belegung wird vor dem Ziehen festgelegt und aufgeschrieben, weil eine nachträglich angepasste Position aus jeder Karte etwas Passendes macht.
Wer mit einem festen System arbeitet, kann in diesem Feld abkürzen. Wichtig bleibt der Vermerk, wenn davon abgewichen wurde, denn genau diese Abweichungen erklären später auffällige Einträge.
Notiert wird außerdem, wie viele Karten gezogen wurden. Bei der Auswertung zeigt sich regelmäßig, dass größere Auslagen häufiger zu unbestimmten Deutungen führen, weil mehr Material auch mehr Möglichkeiten liefert, im Nachhinein etwas Passendes zu finden.
Feld vier: die gezogenen Karten, unkommentiert
In dieses Feld kommen die Kartennamen in der Reihenfolge, in der sie liegen, samt Position und gegebenenfalls dem Vermerk, ob eine Karte umgekehrt lag.
Kommentare gehören nicht hierher. Das Feld hat eine einzige Aufgabe: den Zustand des Tisches so festzuhalten, dass er sich rekonstruieren lässt, auch nach einem halben Jahr.
Wer mit Umkehrungen arbeitet, notiert die verwendete Schule einmal auf der ersten Seite des Hefts, statt sie bei jedem Eintrag zu wiederholen. Welche Schulen es dafür gibt, behandelt der Text über die Hofkarten und ihre Lesarten in ähnlicher Weise für eine andere Kartengruppe.
Feld fünf: die Deutung in drei Sätzen
Drei Sätze sind eine harte Grenze und der Kern des ganzen Verfahrens. Sie zwingen dazu, aus einer Legung eine Aussage zu machen statt einer Aufzählung von Eindrücken.
Mindestens einer der drei Sätze muss sich am Prüftermin mit Ja oder Nein beantworten lassen. Sätze, die auf jede denkbare Entwicklung passen, werden gestrichen, bevor sie im Heft stehen.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Einträge zunächst scheitern. Wer die eigenen Formulierungen der ersten Wochen durchsieht, findet fast nur Sätze, die nicht falsch werden können, und das ist die eigentliche Lehre des ersten Monats.
Ein Satz wie eine Veränderung kündigt sich an gehört in diese Gruppe. Er ist immer richtig, weil sich immer etwas verändert. Brauchbar wird er erst mit einer Angabe, die sich am Termin überprüfen lässt: worin die Veränderung besteht und woran sie zu erkennen wäre.
Feld sechs: der Prüftermin
Das sechste Feld enthält ein Datum, an dem der Eintrag wieder geöffnet wird. Es wird beim Schreiben festgelegt und richtet sich nach der Frage: eine Woche, ein Monat, ein Quartal.
Ohne dieses Feld bleibt jede Prüfung dem Zufall überlassen. Mit ihm entsteht eine Liste von Terminen, die sich in einen Kalender übertragen lässt, und das ist der einzige Mechanismus, der eine Auswertung überhaupt in Gang setzt.
Als Faustregel gilt: Der Termin liegt so weit weg, dass sich etwas entwickeln kann, und so nah, dass die Lage noch dieselbe ist. Für die meisten Fragen sind das zwei bis sechs Wochen.
Für Fragen ohne absehbaren Zeitpunkt hat sich ein fester Abstand bewährt: vier Wochen, unabhängig vom Thema. Das ist willkürlich und deshalb ehrlicher als ein Termin, der so gewählt wird, dass er zur erhofften Entwicklung passt.
Die sechs Felder auf einen Blick

| Feld | Inhalt | Prüfkriterium | häufiger Fehler |
|---|---|---|---|
| eins | Datum, Uhrzeit | eindeutig einsortierbar | Uhrzeit fehlt |
| zwei | Frage im Wortlaut | ein Satz mit Fragezeichen | nur das Thema notiert |
| drei | System und Positionen | vor dem Ziehen festgelegt | nachträglich angepasst |
| vier | Karten in Reihenfolge | Tisch rekonstruierbar | Kommentar dazwischen |
| fünf | Deutung, drei Sätze | ein Satz mit Ja oder Nein prüfbar | Satz passt auf alles |
| sechs | Prüftermin | Datum steht fest | Feld bleibt leer |
Die dritte Spalte ist die eigentliche Arbeitsanweisung. Wer einen Eintrag abschließt, geht sie einmal durch, und das dauert etwa zwanzig Sekunden.
Die vierte Spalte beschreibt, was in den ersten Wochen tatsächlich passiert. Alle sechs Fehler sind verbreitet, und der fünfte ist der hartnäckigste, weil er sich beim Schreiben gut anfühlt.
Was ausdrücklich nicht ins Heft gehört
Deutungen für andere Personen, die nicht anwesend waren, gehören nicht hinein. Sie lassen sich nicht prüfen, und sie werfen eine Frage nach dem Einverständnis auf, die sich im Nachhinein nicht klären lässt.
Ebenso wenig gehören Angaben zu Gesundheit, laufenden Verfahren oder Geldanlagen hinein, weder als Frage noch als Deutung. Für diese Bereiche gibt es zuständige Berufe, und ein Heft ändert daran nichts.
Und schließlich: keine nachträglichen Korrekturen in Feld fünf. Wer eine Deutung im Licht des Ausgangs umformuliert, hat den einzigen Mechanismus außer Kraft gesetzt, für den das Journal überhaupt geführt wird.
Falls die Formulierung im Rückblick unglücklich erscheint, kommt die bessere Fassung in eine eigene Zeile unter den Eintrag, mit dem Datum des Tages, an dem sie geschrieben wurde. Dann stehen beide Sätze nebeneinander, und die Reihenfolge bleibt erkennbar.
Das Format: Heft, Karteikarte oder Datei
Ein liniertes Heft mit sechs Zeilen pro Eintrag reicht vollständig aus und hat den Vorteil, dass sich nichts nachträglich ändern lässt, ohne dass man es sieht.
Karteikarten haben einen anderen Vorteil: Sie lassen sich nach Prüfterminen sortieren, und das erleichtert die Auswertung erheblich. Der Nachteil ist die Gefahr, dass einzelne Karten verschwinden.
Eine Datei ist praktisch für die Auswertung und schlecht für die Verbindlichkeit, weil sich Einträge unsichtbar überschreiben lassen. Wer digital arbeitet, sollte die Deutung nach dem Schreiben schreibgeschützt ablegen.
Unabhängig vom Format lohnt sich eine Vorlage. Sechs vorgedruckte Zeilen mit den Feldnamen am Rand sparen bei jedem Eintrag eine halbe Minute und verhindern, dass ein Feld unter der Hand ausfällt. Ein Blatt mit zwanzig Vorlagen ist in fünf Minuten geschrieben.
Die Auswertung nach drei Monaten

- Alle Einträge heraussuchen, deren Prüftermin abgelaufen ist, und der Reihe nach durchgehen.
- Jeden Eintrag zuerst nur bis Feld vier lesen, ohne die Deutung anzusehen.
- In eigenen Worten notieren, was seither tatsächlich geschehen ist, in einem Satz.
- Erst danach Feld fünf lesen und beide Sätze nebeneinanderlegen.
- Den Eintrag in eine von drei Spalten einordnen: getroffen, danebengelegen, zu unbestimmt.
- Die dritte Spalte auszählen und ihren Anteil an allen Einträgen bestimmen.
- Zwei Einträge aus der dritten Spalte heraussuchen und den Satz so umschreiben, dass er prüfbar wäre.
- Diese beiden umgeschriebenen Sätze als Muster auf die erste Seite des nächsten Hefts übernehmen.
Der zweite Schritt ist der, der am meisten kostet und am meisten bringt. Wer die Deutung zuerst liest, erinnert sich anders an die vergangenen Wochen, und die Bewertung ist dann keine mehr.
Die dritte Spalte füllt sich bei allen, die diesen Durchgang zum ersten Mal machen, am schnellsten. Ein Anteil von der Hälfte ist am Anfang normal und sinkt über zwei oder drei Auswertungen deutlich.
Was die Auswertung zeigt und was nicht
Sie zeigt, welche Art von Aussage bei der eigenen Arbeit trägt. Manche Praktizierende stellen fest, dass ihre Deutungen zu Entscheidungen brauchbar sind und zu Zeitangaben nicht; andere finden das umgekehrte Muster.
Sie zeigt außerdem, welche Fragen regelmäßig zu unbestimmten Deutungen führen. Das ist der praktischste Ertrag, weil er sich unmittelbar in die nächste Formulierung übersetzen lässt.
Ein dritter Befund taucht bei vielen auf und überrascht regelmäßig. Die Einträge mit den kürzesten Deutungen landen häufiger in der ersten Spalte als die ausführlichen, und zwar nicht, weil sie besser wären, sondern weil sie sich überhaupt bewerten lassen.
Was sie nicht zeigt, ist eine Trefferquote im statistischen Sinn. Dreißig Einträge sind keine Stichprobe, und das Verfahren ist eine Selbstprüfung und kein Nachweis. Wie sich eine Legung überhaupt aufbaut, steht in der Anleitung zur keltischen Kreuzlegung.
Wo ein Journal an seine Grenze kommt
Karten sind ein symbolisches Werkzeug und Material für Unterhaltung und persönliche Reflexion. Sie stellen nichts fest und sagen nichts voraus, und ein sorgfältig geführtes Heft ändert daran nichts.
Für medizinische, rechtliche und finanzielle Fragen sind die zuständigen Berufe da. Ein Journal, das solche Einträge enthält, verleiht ihnen den Anschein von Verbindlichkeit, und genau das ist der Grund, sie dort auszuschließen.
Was bleibt, ist bescheiden und brauchbar: eine datierte Aussage, ein Termin und die Möglichkeit, beides nebeneinanderzulegen. Wer die Grundlagen dazu sucht, findet sie im Text über die Verbindung von Karten und Intuition und im Überblick zum Tarot.
Häufige Fragen
Muss ich jede Legung eintragen?
Nein, und die Beschränkung ist eher hilfreich. Wer zwei bis vier Einträge pro Woche führt und diese vollständig, hat nach drei Monaten genug Material; wer jede Tageskarte einträgt, hört meist nach zwei Wochen auf.
Wie lang darf die Deutung sein?
Drei Sätze. Wer mehr schreiben möchte, nimmt dafür ein zweites Heft, das nicht ausgewertet wird und in dem alles Platz hat, was in die sechs Felder nicht passt.
Was mache ich mit Einträgen ohne Ergebnis?
Als unbestimmt einordnen und stehen lassen. Diese Einträge sind der aufschlussreichste Teil der Auswertung, und sie verschwinden bei den meisten still, weil sie sich unangenehm lesen.
Kann ich das Format für Lenormand verwenden?
Ja, ohne Änderung. Die sechs Felder hängen nicht am Blatt, sondern an der Reihenfolge von Frage, Ziehung, Deutung und Prüfung, und die ist bei jedem Kartensystem dieselbe. Ein Tarot Journal führen und ein Lenormandheft führen unterscheidet sich nur in Feld drei.
Wie oft soll ich auswerten?
Alle drei Monate reicht. Häufiger wird die Sache zur Buchhaltung, seltener sind die Einträge so alt, dass sich die Lage nicht mehr rekonstruieren lässt. Für den ersten Durchgang genügen zwanzig bis dreißig Einträge.
Sechs Zeilen pro Eintrag sind weniger, als die meisten Hefte enthalten, und mehr, als die meisten auswerten können. Der Unterschied liegt in zwei Feldern: dem Wortlaut der Frage und einem Datum, an dem nachgesehen wird.




