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Ende Oktober beginnt die dunkle Hälfte des Deutungsjahres

Nebliger Laubwald am frühen Morgen mit kahlen Ästen und feuchtem Boden

In der dritten Oktoberwoche verschiebt sich etwas, das kein Kalenderblatt markiert. Die Sonne verlässt einen kardinalen Abschnitt und tritt in einen festen ein, und zwei Wochen später erreicht sie dessen Mitte.

Diese Mitte ist der eigentlich interessante Punkt. Sie liegt genau zwischen der Tagundnachtgleiche und der Sonnenwende, und an dieser Stelle liegen in Nordwesteuropa die ältesten überlieferten Feste dieser Jahreszeit.

Der Text ordnet beides ein: den Zeichenwechsel Ende Oktober und den Punkt in der Mitte des Abschnitts. Dazu die Themen, die die Tradition dieser Phase zuschreibt, und der Hinweis darauf, warum die ganze Zuordnung an eine Halbkugel gebunden ist.

  • Zeichenwechsel: um den 23. Oktober, mit ein bis zwei Tagen Schwankung
  • Dauer des Abschnitts: rund dreißig Tage
  • Element und Qualität: Wasser, fest
  • Mitte des Abschnitts: fünfzehn Grad, Anfang November
  • Überlieferte Herrschaft: Mars, seit dem 20. Jahrhundert daneben Pluto
  • Zugeordnete Themen: Abschluss, Bindung, Umgang mit Verlust
  • Geltungsbereich: die Jahreszeitenlogik gilt nördlich des Äquators

Ein Übergang, den der Kalender nicht markiert

Zwischen Herbstanfang und Wintersonnenwende liegen drei Monate, in denen im bürgerlichen Kalender kein astronomischer Punkt eingetragen ist. Das Deutungsjahr kennt in diesem Zeitraum trotzdem eine Zäsur, und sie liegt nicht am Monatsersten.

Sichtbar wird der Übergang an der Tageslänge. In Mitteleuropa verliert der Tag in diesen Wochen so schnell an Licht wie zu keiner anderen Zeit des Jahres, und die Zeitumstellung verstärkt den Eindruck zusätzlich.

Genau in diese Wochen fällt der Wechsel der Sonne in den achten Abschnitt des Tierkreises. Ob man darin einen Zusammenhang sieht oder eine Gleichzeitigkeit, ist eine Frage der Deutung; die Gleichzeitigkeit selbst ist eine Tatsache des Kalenders.

Sonne im Skorpion: Zeitraum und Schwankung

Die Sonne im Skorpion beginnt in den meisten Jahren am 23. Oktober und endet um den 22. November. Das Datum verschiebt sich von Jahr zu Jahr um bis zu zwei Tage.

Der Grund ist derselbe wie bei allen Zeichenwechseln. Das tropische Jahr ist nicht genau dreihundertfünfundsechzig Tage lang, und der Schalttag korrigiert diese Differenz in Sprüngen statt gleichmäßig.

Wer wissen möchte, wann der Wechsel in einem bestimmten Jahr stattfindet, schlägt in einer Ephemeride nach. Eine feste Datumsangabe ohne Jahr ist an dieser Stelle eine Näherung und keine Auskunft.

Hinzu kommt die Zeitzone. Der Wechsel findet an einem bestimmten Zeitpunkt statt, und je nach Ort fällt dieser Zeitpunkt auf den Vortag oder den Folgetag. Für Geburten in den Stunden um einen Wechsel entscheidet deshalb die Ortszeit über das Zeichen.

Ein fester Abschnitt hat andere Eigenschaften als ein kardinaler

Der vorhergehende Abschnitt beginnt an einem Kreuzungspunkt und leitet damit eine Jahreszeit ein. Der achte tut das nicht; er liegt in der Mitte einer Jahreszeit und trägt in der Systematik die Bezeichnung fest.

Diese Einteilung stammt aus der Lage im Jahreslauf. Kardinale Abschnitte beginnen die Jahreszeiten, feste liegen in ihrer Mitte, veränderliche leiten zur nächsten über. Aus dieser Stellung sind die überlieferten Zuschreibungen abgeleitet.

Für die Deutung heißt das, dass in dieser Phase keine Wende erwartet wird, sondern eine Verdichtung dessen, was im Herbst begonnen hat. Wie die drei Qualitäten insgesamt aufgebaut sind, zeigt der Text über die vier Elemente in der Astrologie.

Das feste Kreuz und seine vier Ecken

Die vier festen Abschnitte liegen einander paarweise gegenüber und bilden ein Quadrat im Kreis: Stier, Löwe, Skorpion, Wassermann. Jeder von ihnen liegt in der Mitte einer Jahreszeit.

Die vier Elemente sind dabei einmal vertreten: Erde, Feuer, Wasser, Luft. Diese Verteilung ist kein Zufall, sondern folgt aus der Konstruktion, die jedes Element genau einmal pro Kreuz vorsieht.

Das feste Kreuz taucht in der Bildtradition mit vier Gestalten auf, die in verschiedenen Zusammenhängen überliefert sind. Wer die Zuordnung der Zeichen zu Elementen und Qualitäten nachlesen möchte, findet sie im Text über die Herrscherplaneten der Sternzeichen.

Die Mitte zwischen Tagundnachtgleiche und Sonnenwende

Fünfzehn Grad eines festen Abschnitts markieren rechnerisch die Mitte zwischen zwei Kreuzungspunkten. Bei diesem Abschnitt liegt der Punkt in den ersten Novembertagen.

Solche Punkte heißen in der Fachsprache Kreuzviertelpunkte, weil sie das Jahr zusätzlich zu den vier Kreuzungspunkten in Achtel teilen. Astronomisch sind sie schlicht Mittelpunkte zwischen zwei Terminen.

Bemerkenswert ist, dass an diesen vier Stellen in Nordwesteuropa alte Feste überliefert sind. Die Zuordnung zu genau fünfzehn Grad ist dabei eine spätere Präzisierung; die überlieferten Feste hängen an Kalenderdaten Anfang des jeweiligen Monats.

Der Unterschied zwischen beiden Terminen beträgt derzeit einige Tage. Wer beides verwendet, sollte deshalb angeben, worauf er sich bezieht: auf ein Kalenderdatum aus der Überlieferung oder auf einen Sonnenstand, der sich für jedes Jahr neu berechnen lässt.

Woher die Einteilung in zwei Jahreshälften stammt

In der irischen Überlieferung wird das Jahr in zwei Hälften geteilt, mit den Übergängen Anfang Mai und Anfang November. Die dunkle Hälfte beginnt im November, die helle im Mai.

Diese Zweiteilung ist in mittelalterlichen Texten belegt und älter als die heutigen Kalenderfeste. Sie folgt einer landwirtschaftlichen Logik: Das Vieh kam im Mai auf die Weide und im November zurück in die Ställe.

In die astrologische Literatur ist die Zweiteilung erst im zwanzigsten Jahrhundert eingewandert, über die Rezeption der Jahreskreisfeste. Ältere astrologische Texte kennen die Ingresse und die Kreuzviertelpunkte, nicht aber die Rede von der dunklen Jahreshälfte.

Der heute übliche Jahreskreis mit acht Festen ist selbst eine junge Zusammenstellung. Er verbindet vier gälische Termine mit den vier astronomischen Punkten zu einer Reihe, die es in dieser Form in keiner einzelnen Überlieferung gegeben hat.

Das ist kein Einwand gegen den Gebrauch. Ein Jahreskreis, der gleichmäßig acht Punkte setzt, ist als Gliederung brauchbar; er sollte nur nicht als durchgehend überlieferter Kalender ausgegeben werden, weil er zwei verschiedene Quellen zusammenlegt.

Die vier Kreuzviertelpunkte im Überblick

Aufrecht stehende Steine in einem Kreis auf einer offenen Wiese im Herbst
Rosser1954 / CC BY 4.0
Punkt Sonnengrad ungefährer Termin überlieferter Name Stellung im Jahr
erster 15 Grad Wassermann Anfang Februar Imbolc Mitte des Winters
zweiter 15 Grad Stier Anfang Mai Beltane Beginn der hellen Hälfte
dritter 15 Grad Löwe Anfang August Lughnasadh Mitte des Sommers
vierter 15 Grad Skorpion Anfang November Samhain Beginn der dunklen Hälfte

Die Namen stammen aus dem gälischen Sprachraum und sind für Irland und Schottland belegt. Ihre Übertragung auf einen europaweiten Jahreskreis ist eine Konstruktion des zwanzigsten Jahrhunderts.

Die Gradangaben in der zweiten Spalte sind eine spätere Zuordnung. Die überlieferten Feste sind an Kalenderdaten gebunden, nicht an Sonnenstände, und die beiden Angaben fallen um wenige Tage auseinander. Zum historischen Bestand gibt es einen Überblick zu Samhain.

Was die Tradition diesem Abschnitt zuordnet

Die klassische Literatur beschreibt den achten Abschnitt über sein Element und seine Qualität: Wasser und fest. Daraus folgen in der überlieferten Sprache Ausdauer, Bindung und ein Umgang mit dem, was sich nicht ändern lässt.

Dazu kommt die Entsprechung zum achten Haus, dem in der Häuserlehre Themen wie geteilter Besitz, Erbschaft, Bindungen und Abschied zugeordnet werden. Diese Entsprechung ist alt und wird bis heute weitergegeben.

Wichtig ist die Reihenfolge der Ableitung. Die Themen stammen aus der Systematik von Element, Qualität und Hausentsprechung; sie sind nicht aus Beobachtungen an Menschen gewonnen, die in diesen Wochen geboren wurden.

Auffällig ist außerdem, wie stark sich die Sprache über die Jahrhunderte verändert hat. Ältere Texte beschreiben den Abschnitt knapp über Element, Qualität und Herrscher; die Zuschreibungen, die heute als typisch gelten, stammen überwiegend aus der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Zwei Herrscher für einen Abschnitt

In der überlieferten Zuordnung gehört dieser Abschnitt zu Mars, der auch dem ersten Abschnitt des Tierkreises zugeordnet ist. Diese Doppelherrschaft ergibt sich aus der klassischen Anordnung der sieben Planeten im Kreis.

Seit dem zwanzigsten Jahrhundert nennt ein großer Teil der Literatur zusätzlich Pluto, der 1930 entdeckt wurde. Diese Zuordnung ist damit nicht einmal hundert Jahre alt und wird nicht von allen Schulen mitgetragen.

Praktisch arbeiten viele mit beiden nebeneinander: dem klassischen Herrscher für die überlieferte Systematik und dem jüngeren für einen Teil der modernen Deutungssprache. Wer das tut, sollte beide Ebenen auseinanderhalten und die jüngere als solche kennzeichnen.

Würden und Schwächen in diesem Abschnitt

Die klassische Lehre ordnet jedem Abschnitt nicht nur einen Herrscher zu, sondern auch Stellungen, in denen einzelne Faktoren als gestärkt oder als geschwächt gelten. Für den achten Abschnitt sind zwei solcher Angaben überliefert.

Der Mond gilt hier als im Fall, also in der Stellung, die seiner Erhöhung gegenüberliegt. Venus gilt als im Exil, weil ihr der gegenüberliegende Abschnitt zugeordnet ist. Beide Angaben stehen seit der Antike in denselben Tabellen.

Diese Begriffe beschreiben keine Bewertung einer Person. Sie sind Positionsangaben innerhalb eines geometrischen Systems, und die Deutungsliteratur hat daraus erst später eine Sprache von Stärke und Schwäche gemacht, die in den ältesten Quellen so nicht steht.

Warum das Bild nur nördlich des Äquators aufgeht

Die Rede von der dunklen Jahreshälfte setzt voraus, dass Anfang November die Tage kurz werden. Auf der Südhalbkugel ist das Gegenteil der Fall: Dort steht derselbe Zeitraum kurz vor dem Sommer.

Der Zeichenwechsel selbst findet global zur selben Minute statt, weil er an der Stellung der Sonne zum Frühlingspunkt hängt und nicht an der Beleuchtung eines Ortes. Die Jahreszeitenlogik dagegen kehrt sich um.

Daraus ergibt sich ein bekanntes Problem der Deutungspraxis auf der Südhalbkugel. Ein Teil der dortigen Praktizierenden behält die überlieferte Zuordnung bei, ein anderer verschiebt sie um sechs Monate, und beide Verfahren finden sich in der Literatur nebeneinander.

Wer diese Zuschreibungen verwendet, sollte also dazusagen, worauf sie sich beziehen. Es sind die Jahreszeiten einer bestimmten geografischen Lage, und die überlieferten Feste stammen aus einer Region mit ausgeprägtem Lichtwechsel. Die Sonnenwende markiert die Extreme dieses Wechsels.

Was der Wechsel für ein einzelnes Horoskop ändert

Für eine bestimmte Geburtsgrafik ändert sich durch einen Zeichenwechsel der Sonne genau eine Sache: Ein laufender Punkt betritt einen neuen Abschnitt und durchläuft in den folgenden Wochen die Häuser oder Punkte, die dort liegen.

Wer in diesem Abschnitt keine Planeten und keine Achsen hat, bekommt aus dem Wechsel wenig. Die Sonne läuft durch ein bestimmtes Haus, und das ist die einzige Aussage, die sich ohne weitere Berührungspunkte machen lässt.

Aussagen, die für alle zwölf Zeichen gelten sollen, entstehen an dieser Stelle regelmäßig und haben mit der Rechnung nichts zu tun. Wie sich aus laufenden Bewegungen eine eigene Übersicht bauen lässt, zeigt die Anleitung zum eigenen astrologischen Kalender.

Ein Protokoll für die dreißig Tage

Aufgeschlagene Kalenderseite eines Monats mit handschriftlichen Vermerken an einzelnen Tagen
  1. Das Datum des Zeichenwechsels für das laufende Jahr aus einer Ephemeride heraussuchen.
  2. Nachsehen, welches Haus der eigenen Grafik die Sonne in diesen Wochen durchläuft.
  3. Notieren, welche eigenen Punkte im selben Abschnitt liegen, mit Gradangabe.
  4. Den Tag bestimmen, an dem die Sonne fünfzehn Grad erreicht, und ihn markieren.
  5. Einen einzigen prüfbaren Satz für den Zeitraum schreiben und datieren.
  6. Das Blatt weglegen und erst nach dem nächsten Zeichenwechsel wieder öffnen.
  7. Den Satz mit drei Zeilen zum tatsächlichen Verlauf abgleichen und einordnen.

Der sechste Schritt ist der unbequeme. Wer währenddessen nachliest, gleicht laufend ab, und die Bewertung am Ende ist dann keine mehr.

Nach vier Ingressen liegen vier Blätter vor. Das ist wenig für eine Statistik und genug, um zu sehen, welche Art von Satz bei der eigenen Arbeit überhaupt prüfbar wird.

Drei Sätze, die in dieser Phase regelmäßig zu weit gehen

Der erste lautet, diese Wochen seien für Abschiede vorgesehen. Ein Zeitraum sieht nichts vor; die Zuordnung stammt aus der Systematik und beschreibt ein Thema, kein Programm.

Der zweite bindet die Phase an Intensität und Krise. Solche Zuschreibungen entstehen aus der Bildsprache der Deutungsliteratur und haben in der Rechnung keine Entsprechung. Wie sich Zyklen dieser Art einordnen lassen, behandelt der Text über Astrologie und Lebenszyklen.

Der dritte überträgt die Zuschreibungen des Abschnitts auf alle Menschen, die in diesen Wochen geboren wurden. Ein Sonnenzeichen ist ein Faktor unter vielen, und aus dem Zeitraum eines Ingresses folgt für eine einzelne Person nichts.

Was aus einem Zeichenwechsel nicht folgt

Ein Ingress ist ein Rechenpunkt: der Augenblick, in dem ein Faktor eine Abschnittsgrenze überschreitet. Er stellt kein Ereignis in Aussicht und erklärt nichts, was in den folgenden Wochen geschieht.

Die Astrologie ist eine symbolische Deutungspraxis mit langer Überlieferung. Sie ordnet Zeiträume und stellt Bezüge her; für Fragen zu Gesundheit, Recht und Geld sind die zuständigen Fachleute zuständig, unabhängig davon, in welchem Abschnitt die Sonne gerade steht.

Wer die dunkle Jahreshälfte als Bild verwendet, verwendet ein Bild aus einer bestimmten Region und einer bestimmten Zeit. Das macht es nicht wertlos, aber es macht es zu einem Bild und nicht zu einer Auskunft.

Häufige Fragen

Warum ist das Datum nicht jedes Jahr gleich?

Weil das tropische Jahr rund sechs Stunden länger ist als der bürgerliche Kalender und der Schalttag diese Differenz sprunghaft ausgleicht. Daraus ergibt sich eine Schwankung von ein bis zwei Tagen.

Ist Anfang November astronomisch ein besonderer Punkt?

Es ist die Mitte zwischen Tagundnachtgleiche und Sonnenwende. Astronomisch ist das ein Mittelpunkt und kein ausgezeichneter Termin; besondere Bedeutung bekommt er erst durch die überlieferten Feste.

Gilt die dunkle Jahreshälfte überall?

Nein. Die Zuordnung setzt die Lichtverhältnisse der Nordhalbkugel voraus und kehrt sich südlich des Äquators um. Der Zeichenwechsel selbst findet dagegen global gleichzeitig statt.

Welcher Herrscher gilt nun für diesen Abschnitt?

Überliefert ist Mars. Pluto kam im zwanzigsten Jahrhundert hinzu und wird von einem Teil der Schulen verwendet. Wer beide nennt, sollte das Alter der jeweiligen Zuordnung dazusagen.

Muss ich etwas tun, wenn die Sonne im Skorpion steht?

Aus einem Ingress folgt keine Handlungsanweisung. Wer den Zeitraum als Anlass für eine regelmäßige Notiz nimmt, nutzt ihn als Gliederung des Jahres, und mehr gibt die Rechnung nicht her.

Der Zeichenwechsel steht in der Ephemeride, die Mitte des Abschnitts lässt sich ausrechnen, und die Feste am selben Punkt sind für eine bestimmte Region belegt. Alles Weitere ist Zuschreibung, und wer die drei Ebenen getrennt hält, kann mit jeder von ihnen arbeiten.

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