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Jede Zahl trägt eine Grundbewegung durch das ganze Deck

Hölzerne Würfel mit eingeprägten Ziffern nebeneinander auf einer hellen Fläche

Auf dem Tisch liegen fünf Karten, und drei davon tragen eine Fünf: zwei aus der kleinen Arkana, dazu der Hierophant mit der römischen Fünf. Wer nur die Bilder liest, sieht drei unverbundene Szenen. Wer die Zahlen liest, sieht dreimal dieselbe Bewegung in drei verschiedenen Bereichen.

Diese Ebene liegt quer durch das ganze Deck. Vierzig Karten tragen eine Zahl von eins bis zehn, zweiundzwanzig eine Nummer von null bis einundzwanzig, und sechzehn tragen gar keine. Damit ist auch schon gesagt, wo die Rechnung trägt und wo sie aufhört.

Der folgende Text zeigt, wie sich aus einer Zahl eine Grundbewegung ableiten lässt, wie die Quersumme die Trumpfreihe mit den Zahlenkarten verbindet und an welchen drei Stellen die Zahlenebene regelmäßig überzogen wird.

  • Mit Zahl: 40 Zahlenkarten von Ass bis Zehn, 22 Trümpfe von null bis einundzwanzig
  • Ohne Zahl: die 16 Hofkarten, die einer eigenen Ordnung folgen
  • Die Rechnung: Zahl gibt die Bewegung, Farbe oder Bild gibt den Bereich
  • Quersumme: Trumpf fünfzehn wird zur Sechs, sechzehn zur Sieben
  • Stolperstelle: die Null des Narren und die vertauschten Nummern acht und elf
  • Brauchbar bei: Legungen mit auffälligen Wiederholungen
  • Nicht enthalten: eine Kartenzuweisung nach Geburtsdatum als überlieferte Praxis

Wenn in einer Legung dreimal dieselbe Zahl liegt

Wiederholungen fallen auf, sobald man auf sie achtet, und sie sind häufiger, als der Zufall vermuten lässt: Bei fünf Karten aus achtundsiebzig kommt ein Paar gleicher Zahlen regelmäßig vor.

Der Umgang damit unterscheidet sich stark. Ein Teil der Praktizierenden liest jede Karte einzeln und übergeht die Wiederholung. Ein anderer nimmt sie als eigene Aussage und liest sie vor den Einzelkarten.

Der zweite Weg setzt voraus, dass die Zahlen überhaupt eine Bedeutung tragen, die über die einzelne Karte hinausreicht. Genau davon handelt dieser Text, und die Antwort fällt differenzierter aus als ein einfaches Ja.

Vorweg eine Einschränkung, die den Rest des Textes betrifft. Die Zahlenebene ist eine von mehreren Ordnungen im Deck, und sie ist die einzige, die sich rein aus dem Aufdruck ablesen lässt. Das macht sie zugänglich und verführt zugleich dazu, ihr mehr aufzuladen, als sie trägt.

Was Tarot Numerologie meint und was nicht

Gemeint ist hier ausschließlich die Zahlenebene innerhalb des Decks: die Nummern, die auf den Karten stehen, und die Beziehungen zwischen ihnen. Das ist eine Deutungshilfe für das Blatt und nichts darüber hinaus.

Nicht gemeint ist die Zahlenlehre, die aus Namen, Geburtsdaten oder Hausnummern Aussagen über Personen ableitet. Das ist ein eigenes System mit eigener Geschichte, und die Verbindung zwischen beiden ist jung und lose.

Die Unterscheidung lohnt sich, weil beide Bereiche im Buchhandel unter demselben Stichwort stehen. Wer eine Karte über eine Zahl erschließt, arbeitet mit dem Aufbau des Decks. Wer aus einem Geburtsdatum eine Karte berechnet, tut etwas anderes.

Wo im Deck überhaupt Zahlen stehen

Die vierzig Zahlenkarten tragen die Werte von eins bis zehn, viermal, in den vier Farben. Die zweiundzwanzig Trümpfe tragen eine durchlaufende Nummerierung, üblicherweise von eins bis einundzwanzig, dazu den Narren mit der Null oder ganz ohne Nummer.

Die sechzehn Hofkarten tragen keine. Sie stehen außerhalb dieser Ordnung, und das ist der Hauptgrund, warum sie im Einstieg als schwierig gelten: Für sie greift die Rechnung nicht, die bei den übrigen zweiundsechzig Karten funktioniert.

Historisch ist die Nummerierung der Trümpfe übrigens jünger als die Karten selbst. In den frühen italienischen Blättern des fünfzehnten Jahrhunderts trugen die Trümpfe keine Nummern; die Reihenfolge war regional verschieden und musste am Spieltisch bekannt sein. Die Geschichte dieser Blätter zeichnet der Überblick zum Tarot nach.

Die Zahlen eins bis zehn als Grundbewegung

Kurz zusammengefasst: Die Eins steht für das reine Angebot, die Zwei für das Gegenüber, die Drei für das erste Ergebnis, die Vier für Festigung, die Fünf für den Bruch, die Sechs für den Ausgleich.

Weiter: Die Sieben steht für die Prüfung im Alleingang, die Acht für Tempo und Wiederholung, die Neun für die Verdichtung, die Zehn für das Ende, das zugleich einen Übergang öffnet.

Diese Reihe ist innerhalb der kleinen Arkana gut eingeführt. Der interessante Schritt besteht darin, sie auf die Trumpfreihe zu übertragen und zu sehen, wie weit sie dort trägt.

Der Grundgedanke hinter der Reihe ist dabei denkbar einfach. Jede Zahl beschreibt, was aus der vorigen geworden ist: Aus einem wird zwei, aus zwei entsteht ein Drittes, vier steht still, fünf bringt das Stillstehen ins Rutschen. Wer die Reihe als Abfolge liest, muss sie nicht auswendig lernen.

Dieselben Zahlen in der Trumpfreihe

Reihe aufgedeckter Trumpfkarten mit römischen Zahlen am oberen Kartenrand
Bermicourt / BY-SA 4.0
Zahl Grundbewegung Trumpf Beispiel aus der kleinen Arkana
eins Angebot, Beginn der Magier Ass der Stäbe
zwei Gegenüber, Wahl die Hohepriesterin Zwei der Kelche
drei erstes Ergebnis die Herrscherin Drei der Münzen
vier Festigung, Halt der Herrscher Vier der Schwerter
fünf Störung, Bruch der Hierophant Fünf der Kelche
sechs Ausgleich, Austausch die Liebenden Sechs der Stäbe
sieben Prüfung, Alleingang der Wagen Sieben der Schwerter
acht Tempo, Maß Kraft oder Gerechtigkeit Acht der Stäbe
neun Verdichtung der Eremit Neun der Schwerter
zehn Ende und Übergang das Rad Zehn der Münzen

Die Übertragung trägt an einigen Stellen sehr gut und an anderen nur mit Mühe. Beim Herrscher und der Vier stimmt sie ohne Weiteres, beim Hierophanten und der Fünf braucht es schon eine wohlwollende Lesart.

Wer damit arbeitet, notiert deshalb die Stellen, an denen die Rechnung hakt, statt sie zurechtzubiegen. Eine Liste mit vier Ausnahmen ist ehrlicher als ein System, das überall passt.

Die Quersumme und was sie leistet

Für die Trümpfe ab der Zehn wird üblicherweise die Quersumme gebildet: Aus fünfzehn wird sechs, aus sechzehn sieben, aus achtzehn neun. Damit lassen sich auch die höheren Nummern in die Reihe von eins bis neun einordnen.

Der Gewinn ist eine zweite Ebene der Verwandtschaft. Karten, die auf dieselbe Ziffer führen, teilen nach dieser Lesart eine Grundbewegung, obwohl ihre Bilder nichts miteinander zu tun haben.

Der Preis ist ein Verlust an Genauigkeit. Aus zweiundzwanzig Karten werden neun Gruppen, und alles, was die einzelne Karte ausmacht, fällt bei dieser Rechnung heraus. Die Quersumme ist deshalb ein Ordnungsvorschlag und keine Deutung.

Paare, die dabei entstehen

Die entstehenden Paare sind der eigentlich interessante Teil. Die Liebenden und der Teufel führen beide auf die Sechs, der Wagen und der Turm beide auf die Sieben, der Eremit und der Mond beide auf die Neun.

In der Deutungsliteratur werden solche Paare gern als zwei Seiten desselben Themas beschrieben: die Wahl und die Bindung, die Steuerung und der Zusammenbruch der Steuerung, der Rückzug und die Unklarheit im Dunkeln.

Ob dieser Zusammenhang in der Reihe angelegt oder nachträglich hineingelesen wurde, lässt sich nicht entscheiden. Die Trumpfreihe ist über Jahrhunderte gewachsen und in verschiedenen Gegenden verschieden geordnet worden; eine Absicht hinter der Zahlenfolge ist nicht belegt. Zum Aufbau der Reihe insgesamt gibt es einen eigenen Text über die große Arkana.

Der Narr und die Null

An einer Stelle hakt jede Rechnung mit dieser Reihe, und zwar an derselben. Der Narr trägt in vielen Decks die Null, in älteren gar keine Nummer, und in einzelnen Zählungen steht er am Ende als zweiundzwanzigste Karte.

Für die Zahlenebene hat das Folgen. Eine Null lässt sich nicht wie die übrigen Werte behandeln: Sie beschreibt keine Stufe innerhalb der Reihe, sondern steht außerhalb, davor oder danach.

Die verbreitete Handhabung besteht darin, ihn von der Rechnung auszunehmen und als eigenen Fall zu führen. Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern entspricht der Stellung, die diese Karte auch im Spiel hatte: außerhalb der Reihe, ohne festen Platz.

Wer ihn trotzdem einordnen möchte, hat zwei gebräuchliche Möglichkeiten: als Anfang vor der Eins oder als Abschluss hinter der Einundzwanzig. Beide Lesarten sind in der Literatur vertreten, und beide verändern die Deutung der Reihe erheblich. Auch hier gilt: eine wählen, notieren, dabei bleiben.

Acht oder elf: die Nummerierung ist nicht überall dieselbe

Wer mit Zahlen arbeitet, stößt schnell auf eine unangenehme Tatsache. Die Gerechtigkeit trägt in der einen Deckfamilie die Acht und in der anderen die Elf, und bei der Kraft ist es umgekehrt.

Für die Bildebene ist das eine Nebensache, für die Zahlenebene nicht. Wer Quersummen bildet, Paare vergleicht oder Wiederholungen zählt, bekommt in beiden Systemen verschiedene Ergebnisse, und beim Wechsel zwischen zwei Decks lassen sich die Notizen nicht mehr vergleichen.

Die praktische Regel ist deshalb streng: die Nummerierung des eigenen Decks notieren und über Monate dabei bleiben. Wer beide Systeme kennenlernen möchte, arbeitet sie nacheinander durch und nicht nebeneinander.

Bemerkenswert ist, wie wenig dieser Unterschied in der Einsteigerliteratur vorkommt. Er betrifft nur zwei von achtundsiebzig Karten und wirkt sich trotzdem auf jede Quersummenrechnung aus, in der eine der beiden vorkommt.

Warum die Hofkarten außerhalb stehen

Die sechzehn Hofkarten tragen keine Zahl, und Versuche, ihnen nachträglich eine zu geben, gibt es zwar, überzeugend sind sie nicht. Sie folgen einer eigenen Ordnung aus vier Rängen und vier Farben.

Das ist kein Mangel, sondern eine zweite Systematik neben der ersten. Die Zahlenkarten beschreiben Bewegungen, die Hofkarten beschreiben Haltungen und Herangehensweisen, und beide Ordnungen laufen nebeneinander her.

Für die Praxis heißt das eine schlichte Trennung. Eine Legung mit vielen Hofkarten wird nicht über Zahlen gelesen, sondern über Rang und Farbe. Wie das im Einzelnen aussieht, behandelt der Text über die Hofkarten im Tarot.

Zahl und Bereich werden nicht doppelt gezählt

Bei den Zahlenkarten liefert die Farbe den Bereich, in dem die Bewegung stattfindet: Antrieb, Gefühl, Denken, Material. Bei den Trümpfen fehlt diese zweite Angabe, weil sie keiner Farbe angehören.

Daraus folgt ein häufiger Fehler. Wer einer Trumpfkarte über eine astrologische oder elementare Zuordnung nachträglich eine Farbe zuweist und dann Zahl und Farbe verrechnet, zählt eine Angabe doppelt, die im Deck an dieser Stelle gar nicht steht.

Sauberer ist die einfache Trennung. Zahlenkarten: Zahl und Farbe. Trümpfe: Zahl und Bild. Hofkarten: Rang und Farbe. Drei Rechnungen, jede mit zwei Größen, und keine davon greift in die andere über.

Zahlen in einer Legung auszählen

Offenes Notizheft mit einer kurzen Liste und einem Stift auf dunklem Holz
  1. Alle Karten aufdecken und die Zahlen notieren, Hofkarten dabei auslassen.
  2. Trümpfe ab der Zehn auf ihre Quersumme bringen und die Ausgangszahl in Klammern dazuschreiben.
  3. Prüfen, ob eine Zahl mehrfach auftaucht, und wenn ja, wie oft.
  4. Bei einer Wiederholung zuerst die Grundbewegung dieser Zahl in einem Satz notieren, vor jeder Einzeldeutung.
  5. Danach ansehen, in welchen Bereichen diese Bewegung auftritt, also in welchen Farben.
  6. Erst zuletzt die einzelnen Karten deuten und mit dem Satz aus Schritt vier vergleichen.
  7. Widersprüche stehen lassen und notieren, statt sie aufzulösen.

Der siebte Schritt ist der ungewohnte. Eine Zahlenebene, die der Bildebene widerspricht, ist kein Fehler im Verfahren, sondern eine zweite Auskunft, und in vielen Fällen ist genau der Widerspruch die brauchbare Information.

Wer das über einige Wochen mitführt, sieht schnell, wie oft Wiederholungen auftreten und wie oft sie etwas beigetragen haben. Am einfachsten geht das bei einer täglichen Karte, wie sie der Text über die Arbeit mit dem Tagestarot beschreibt.

Wo die Zahlenebene überzieht

Drei Anwendungen gehen über das hinaus, was der Aufbau des Decks hergibt. Die erste ist die Berechnung einer persönlichen Karte aus dem Geburtsdatum. Sie ist verbreitet, sie ist eine Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts, und sie hängt vollständig an der gewählten Rechenvorschrift.

Die zweite ist die Jahreskarte, bei der aus Geburtstag und laufendem Jahr eine Karte errechnet wird. Auch sie ist jung, und auch bei ihr entscheidet die Rechenregel über das Ergebnis: Andere Regel, andere Karte, gleiche Überzeugungskraft.

Die dritte ist die Neigung, jede Wiederholung für bedeutsam zu halten. Bei zehn Zahlen und mehreren Karten sind Wiederholungen der Normalfall, und wer aus jeder eine Aussage macht, hat am Ende in jeder Legung eine Botschaft. Zur Bildebene, die dabei verloren geht, gibt es einen eigenen Text über die Symbole im Tarot.

Was die Zahl nicht ersetzt

Die Zahl liefert einen Rahmen und keine fertige Karte. Das Bild, die Position im Legesystem und die Formulierung der Frage tragen zusammen mehr, und die Zahlenebene ist eine Zusatzangabe, die den Blick sortiert.

Karten sind ein symbolisches Werkzeug und Material für Unterhaltung und persönliche Reflexion. Sie stellen nichts fest und sagen nichts voraus. Für medizinische, rechtliche und finanzielle Fragen gibt es zuständige Berufe, und erfahrene Legerinnen lehnen solche Fragen ab, statt eine Auskunft zu geben, die sie nicht verantworten können.

Was bleibt, ist eine Abkürzung durch ein Deck aus achtundsiebzig Karten. Zehn Zahlen, eine Quersumme und drei getrennte Rechnungen genügen, um sich in einer Legung zu orientieren, bevor das erste Buch aufgeschlagen wird.

Häufige Fragen

Muss ich die Quersumme immer bilden?

Nein. Sie ist eine zusätzliche Ordnung und kein Bestandteil der Deutung. Wer sie benutzt, sollte es durchgehend tun, weil sich sonst die Einträge im Heft nicht vergleichen lassen.

Welche Zahl hat der Narr?

Je nach Deck die Null, gar keine oder die Zweiundzwanzig. Für die Zahlenarbeit wird er üblicherweise ausgenommen und einzeln behandelt, weil eine Null sich nicht wie eine Stufe der Reihe verhält.

Gilt die Zahlenebene auch für Lenormand?

Nicht in dieser Form. Die Karten dieses Systems tragen zwar Nummern, aber sie beschreiben eine Reihenfolge im Blatt und keine Grundbewegung. Dort trägt die Verbindung zweier Karten die Aussage.

Was mache ich, wenn die Zahl und das Bild sich widersprechen?

Beides notieren und den Widerspruch stehen lassen. Er ist häufig die genauere Auskunft als jede der beiden Ebenen für sich, und er zeigt außerdem, an welchen Karten die eigene Herleitung noch nicht sitzt.

Wie viele Wiederholungen sind auffällig?

Ein Paar ist in kurzen Legungen der Normalfall. Auffällig wird es ab drei gleichen Zahlen, und selbst dann lohnt sich der Blick auf die Größe der Legung, bevor daraus etwas gemacht wird. Grundsätzliches zum Kartenlernen steht im Einstiegstext zu den Karten.

Zehn Zahlen laufen durch achtundsiebzig Karten, und sie laufen nicht überall gleich sauber. Wer die vier Stellen kennt, an denen die Rechnung hakt, hat mehr gewonnen als jemand, der ein System besitzt, in dem alles aufgeht.

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